Lions werden von der Last erdrückt, siegen zu müssen
Braunschweig Die halbe Bundesliga-Saison ist Samstag vorbei, wenn die Partie gegen Hamburg beendet ist. Und die Lions-Footballer haben fast alle Ziele verpasst.
Die Braunschweiger dominieren nicht die Nordgruppe. Sie spielen kaum attraktiver als in den mageren Vorjahren. Sie können sogar nur noch mit Ach und Krach die Play-off-Spiele erreichen.
Nur das größtmögliche Debakel, der Abstieg, scheint an den Männern von Cheftrainer Phil Hickey vorbeizugehen. Wenn am Samstag der erwartete Sieg gegen Aufsteiger Hamburg Blue Devils gelingt, ist es kaum mehr realistisch, auf den vorletzten Rang der Achterliga, den Relegationsplatz, den Lübeck einnimmt, abzurutschen. Abstiegsrang acht scheint den Devils sicher zu sein.
Doch was hat die besser platzierte Konkurrenz, was den Braunschweigern fehlt? Vor allem eingespielte Teams. Keine Mannschaft hat einen so großen Umbruch erlebt wie die der Lions. 21 neue Spieler im 50-Mann-Kader sind nicht sofort zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenzuschweißen. Schon gar nicht, wenn es sich bei den Zugängen überwiegend um große Talente handelt, die zwar was können, aber denen einfach die Erfahrung in der Eliteliga fehlt.
Das dokumentiert sich dadurch, dass es die Lions selbst gegen die besten Gegner immer wieder schaffen, ganz dicht an die Endzone heranzukommen. Doch dann fehlt ihnen Kaltschnäuzigkeit, der Glaube an das eigene Vermögen, kurzum das Selbstbewusstsein, um den Sack zuzumachen. Hinzu gesellen sich haarsträubende Fehler in Schlüsselsituationen. Ein Beweis für den Mangel an Nervenstärke und Erfahrung.
Diese natürlichen Defizite einer jugendlichen Amateurriege sollte ein Gerüst aus zumeist bezahlten, erfahrenen Akteuren wettmachen. Doch die Importspieler, die zu Hause etwa in den USA eine ganz andere Art gewohnt sind, Football zu spielen, benötigen ebenfalls Eingewöhnungszeit.
Selbst Kelvin Love, einer der größten Idole der Lions-Geschichte und mehrfacher Vereinsrekordhalter, spielte einst eine allenfalls durchwachsene erste Saison in Braunschweig. Die Geduld, die man mit ihm hatte, zahlte sich später auf eindrucksvolle Weise aus.
Keine Zeit mehr, sich besser zu präsentieren hat Hickey seinem Safety Ronald Sears gegeben. Der Amerikaner wurde nach Hause geschickt. Sears hatte seine Eingewöhnungsphase vergangenes Jahr unter Hickey in München. Zudem hat es offenbar zwischen Sears und den Teamkollegen Probleme gegeben, die eine weitere Bewährungszeit unmöglich machten.
Der größte Fehler der Lions-Verantwortlichen bestand darin, der neuformierten, noch instabilen Mannschaft, das Ziel deutsche Meisterschaft aufzudrücken. Dass der Hauptgeldgeber solche Pläne hat, ist klar. Doch für die Psyche der Talente war das Gift.. Hickey weiß das, sitzt aber als Angestellter des Hauptsponsors in der Zwickmühle. Wie Balsam wirken würde da der dritte Saisonsieg gegen die Devils.
•Braunschweig – Hamburg
Samstag, 18 Uhr, Eintracht-Stadion



