Lions-Trainer Phil Hickey muss gehen, Tomlin kommt
Braunschweig Der ins Mittelmaß abgerutschte Rekordmeister im American Football aus Braunschweig hat am Mittwoch seinen Cheftrainer und Manager Phil Hickey entlassen.
Der Grund für die Entlassung: Erfolglosigkeit. Nachfolger wird Troy Tomlin, der bereits ein Jahrzehnt bei den Lions gearbeitet hat.
Mittwochmorgen wurde Hickey in die Konzernzentrale des Modeunternehmens New Yorker gebeten, das Namenssponsor der Lions ist. Da hatte der alte Coach noch keine böse Vorahnung. „Es gab sowieso einiges zu besprechen. Wir waren uns schon zuvor einig gewesen, dass ich die Doppelfunktion aufgeben werde. Und ich hatte mein wochenlang ausgearbeitetes Konzept dabei, wie ich mir als Cheftrainer die sportliche Zukunft vorstelle. Dass ich dieses Konzept gar nicht mehr präsentieren durfte und nun ganz raus bin, hat mich völlig kalt erwischt“, erzählte der zutiefst enttäuschte Hickey.
„Mir ist wichtig zu betonen, dass wir uns freundschaftlich getrennt haben. Wir waren längere Zeit hin- und hergerissen, ob wir mit Hickey weitermachen sollten. Wir wollten ihm die Chance geben, einen Neuaufbau zu starten“, erklärte Thomas Krecklenberg. Doch schließlich habe sich das Unternehmen anders entschieden, sagte der Geschäftsführer. „Die Kluft zwischen den Zielen in der abgelaufenen Saison und dem Ergebnis war dann einfach doch zu groß.“
Die Lions waren nach drei Jahren in der Bundesliga-Bedeutungslosigkeit diesmal angetreten, um wieder ganz nach vorn zu kommen. Vom Titel als Ziel war gar die Rede, und wenn nicht sofort, dann so schnell wie möglich. An diesem extrem anspruchsvollen Ziel musste sich Hickey in jeder Partie messen lassen. Doch seine Mannschaft, vor allem die US-amerikanischen Verpflichtungen auf Schlüsselpositionen, blieben weit hinter den Erwartungen zurück.
Erst als Hickey die Importspieler Mitte der Saison austauschte, wurde es spürbar besser. Doch zu retten war nichts mehr. Selbst das Minimalziel Play-off-Runde wurde deutlich verpasst. Als Drittletzter entkamen die Lions lediglich dem Abstieg. „Das lag nicht alles an Hickey. Es gab auch einige sehr knappe Spiele, die durchaus anders hätten ausgehen können. Aber wir wollen einen völligen Neuanfang“, machte Krecklenberg deutlich. „Egal wer nach mir kommt, er wird es nicht leicht haben in Braunschweig“, sagte Hickey zum Abschied.
Tomlin ist ein Mann, der sehr gut weiß, was sein Vorgänger meint. Denn der Amerikaner war sieben Jahre unter dem legendären Meistercoach Kent Anderson in der Co-Trainer-Rolle. Dann übernahm Tomlin von 2001 bis 2004 die Chef-Position – und musste gehen, weil er viermal Zweiter wurde und nicht einmal deutscher Meister. Wie glücklich wären wohl die erfolgsentwöhnten Fans heute mit einer Vizemeisterschaft? Tomlin will mit seiner Braunschweiger Ehefrau und Kind in die Löwenstadt zurückkommen. Nächste Woche wird er offiziell vorgestellt, und gleich danach nimmt er die Arbeit auf.
Die Mannschaft empfängt den neuen Boss offenbar mit offenen Armen. „Ich kenne Troy noch nicht, habe aber viel von ihm gehört. Er soll sehr hart sein, aber fair. Das gefällt mir“, sagte Kerim Homri, einer der vier Team-Kapitäne der Lions und der beste deutsche Abwehrspieler 2011 und 2012.



