Lions-Spieler dreht mit Tom Cruise
Der Footballer Olaf Fischer ist Statist im Film über den Hitler-Attentäter Stauffenberg – 30 Euro für jeden Kurzhaarschnitt
Um diesen Job wird Olaf Fischer heiß beneidet, vor allem von Frauen. Denn der Mann mit der Rückennummer 87 bei den Braunschweig Lions darf Tom Cruise ganz nahe sein. Der Footballspieler ist Komparse beim Film "Rubicon", der das Leben und Sterben des Hitler-Attentäters Claus-Schenk Graf von Stauffenberg erzählt und derzeit in Berlin gedreht wird.
"Tom Cruise ist gar nicht so klein, wie alle glauben", meint Fischer. Nett gesagt von einem, der immerhin stolze 1.98 Meter misst. Gegen den großen Blonden nimmt sich Cruise mit seinen 1.69 nun wahrlich wie ein Zwerg aus.
Auch Katie Holmes dabei
"Nett ist er auch, der Tom, und voll locker", lobt Fischer weiter. In Drehpausen etwa dürfe man ihn gern fotografieren. Neulich erst habe der Star zum Megaphon gegriffen und rund 200 Statisten zum Geburtstagsständchen für den deutschen Mimen Thomas Kretschmann (jetzt 45, spielt Generalmajor Otto Ernst Remer) bewegen können. Auch Cruise-Gattin Katie Holmes sei neulich auf dem Set gewesen – mit Töchterchen Suri. "Die ist vielleicht süß", schwärmt Fischer.
Über einen Freund kam der Footballer zu seinem Komparsen-Job. Gesucht wurden große Blonde – für die Wehrmacht und die SS. Langen Castings musste sich Fischer nicht unterziehen. Größe und Haarfarbe sprachen für sich. Nun stellt er einen SS-Mann der Standard Leibgarde dar.
30 Euro gibt’s allein für jeden Kurzhaarschnitt. Wohl so eine Art Schmerzensgeld. Des weiteren lassen sich für einen Komparsen an diesem Filmset verdienen: von 5 bis 15 Uhr je 80 Euro, für jede weitere Stunde (und manchmal geht’s bis nahe an Mitternacht) gibt’s 5 Euro.
Für den Dreh gedrillt wurde Fischer in einem speziellen Trainingslager, Bootcamp genannt. Wobei das formvollendete Marschieren Fischer keine Probleme bereitete: "Ich war doch bei der Bundeswehr!"
Der 32-Jährige war Zeuge des Komparsenunfalls, der durch die Medien ging: Elf Statisten wurden verletzt, als sich der Riegel eines Pritschenwagens löste und sie von der Ladefläche stürzten. Eine junge Anwältin versucht derzeit medienwirksam, von der Filmfirma United Artists Schadensersatz für die Betroffenen zu erstreiten.
"Der Unfall war aber nicht sehr dramatisch", meint Fischer. Alle seien schon am nächsten Tag aus dem Krankenhaus entlassen worden. "Aber in der Tat: Die Komparsen hatten vorher darauf hingewiesen, dass der Riegel ausgeleiert sei. Doch keiner hat sich drum gekümmert."
Hakenkreuze schockten
Fischer wiederum kümmert es nicht, dass Schauspiel-Star Tom Cruise bekennender Scientologe ist. "Jeder hat das Recht zu glauben, was er will." Und Cruise habe schließlich auch nicht versucht, ihn oder andere am Drehort für die Sekte anzuwerben.
Weniger entspannt sahen die Filmarbeiten allerdings Gäste einer jüdischen Hochzeitsgesellschaft, die in einem Hotel feierten und von dort entsetzt auf das Meer von Hakenkreuz-Fahnen schauten. "Da ist ganz schnell jemand vom Hotel gekommen und hat dringend gemahnt, die Fahnen einzuholen." Was dann auch ganz schnell geschah.
Fischer haben die Dreharbeiten bislang Spaß gemacht. "Eine enorme Erfahrung", meint er. Zur Einstimmung hat er sich den deutschen Stauffenberg-Film mit Sebastian Koch angeschaut, und er hat recherchiert im Internet, um genau informiert zu sein über die geschichtlichen Hintergründe. "Mein Opa war bei den Fallschirmjägern. Er starb, als ich 22 Jahre alt war." Angeregt durch "Rubicon" möchte Fischer nun auch mehr über seinen Großvater erfahren. "Ich will unbedingt seine Geschichte herausfinden, will erfahren, wo genau er im Krieg gewesen, wo er abgesprungen ist."
Wir jedenfalls werden genau hinschauen, wenn "Rubicon" (ursprünglicher Arbeitstitel: "Valkyrie") ins Kino kommt. Start in Amerika ist am 27. Juni 2008. Wann der Film in Deutschland anläuft, steht noch nicht fest.

