Lions spielen stark verbessert und verlieren
Braunschweig In der Football-Bundesliga verloren die Braunschweiger am Samstagabend gegen die Dresden Monarchs mit 28:35 (7:7, 3:7, 10:7, 8:14).
Das war richtig frustrierend. Die Lions zeigten vor gut 3700 Zuschauern im Eintracht-Stadion zwei Viertel lang ihre beste Spielhälfte der Saison und zwei Viertel lang eine Leistung, die sie nicht immer in der Lage waren zu bringen. Und trotzdem verließen die Dresdner den Platz als Sieger.
Für die Braunschweiger wird es nun enorm schwer, das Ziel Play-offs zu erreichen. Obwohl Tabellenführer Kiel am Sonntag völlig überraschend in Düsseldorf die erste Saisonniederlage kassierte, liegen sie wie die Berlin Adler meilenweit von den Lions entfernt an der Tabellenspitze. Düsseldorf dürfte sich mit dem jüngsten Coup den dritten Rang gesichert haben. Um den letzten Platz in der Meisterschaftsrunde streiten also mit den Lions die Berlin Rebels und eben die Dresdner.
„Wir sind eine Mannschaft, die vom Potenzial her einfach in die Play-offs gehört“, sagte Lions-Cheftrainer Phil Hickey nach der fünften Niederlage im 8. von 14 Saisonspielen in der Punktrunde trotzig, fügte aber auch hinzu: „Es gibt fünf bis sechs Teams, die dieses Potenzial haben.“
Die Monarchs haben es, spielten stärker als die Düsseldorfer gegen die Lions und wurden dennoch über weite Strecken des Spiels von den stark verbesserten Braunschweigern gut in Schach gehalten. Dass es trotzdem für die Lions nicht reichte, lag an einer Handvoll Spielzüge, bei denen sich die Gastgeber im Tiefschlaf befanden und mit denen sich die Gäste die entscheidenden Punktvorteile erarbeiteten.
Spielentscheidend war auch, dass mit Christian Bollmann Braunschweigs bester deutscher Ballfänger kurz vor der Pause verletzt ausfiel. Offenbar handelte es sich um eine Wadenverletzung. Wie lange er ausfallen wird, war unmittelbar nach Spielschluss unklar.
Ausgerechnet Bollmann. Denn der Starspieler der Lions hatte vor seinem Ausfall so viel Wirkung im Braunschweiger Angriff erzielt wie lange nicht mehr. Durch die beiden wirklich starken Neuverpflichtungen im Angriff, Alexander Toukara-Kone und Willie Milhouse, konnten die Dresdner sich keine Doppeldeckung für Bollmann erlauben. Und so zeigte Spielmacher Michael Herrick zum ersten Mal bei den Lions, was für eine Klasse in ihm steckt. Die Gäste sahen sich anfangs einem Passfeuerwerk ausgesetzt. Und die Lions-Fans staunten nicht schlecht, wie oft Herricks Bälle gefangen werden können, wenn man denn fangen kann.
Doch mit dieser Herrlichkeit war nach dem Ausfall von Bollmann Schluss. Fortan bekam es Toukara-Kone mit einer Doppeldeckung zu tun. Und er hatte bei zwei weiten Pässen in die Dresdner Endzone auch noch die Schiedsrichter gegen sich, die nicht sahen, was fast jeder im Publikum glaubte zu sehen – Passbehinderungen. In einem Fall sah es sogar einer der Referees. Doch der Hauptschiedsrichter entschied anders. Zusammen mit weiteren zweifelhaften Entscheidungen brachte das Hickey an der Seitenlinie zum Überkochen.
Weil mit Jabari Johnson aus privaten Gründen diesmal der beste Ballträger fehlte, der zweite Runningback Sven Rosemann sich nur selten durchsetzen konnte und Johnson-Ersatz William Ngaoudjio im Spiel angeschlagen wurde und nur eingeschränkte Wirkungskraft entfaltete, verpuffte das als Bonus gedachte Debüt von Milhouse.
Dabei zeigte der Amerikaner große Klasse im Kurzpassspiel und beim Laufangriff. Meistens kombinierte er beides und narrte ein ums andere Mal die Dresdner Abwehr. Doch mangels echter Anspiel-Alternativen war der Braunschweiger Angriff umso mehr ausrechenbar umso länger das Spiel dauerte.
Die phasenweise überragende Abwehr der Lions vermasselte sich eine gute Note durch die dicken Fehler, die zu den entscheidenden Gegenpunkten führten. Anders als im Angriff fehlte den Neuzugängen in der Defensive, Arturs Pusmucans und David Coleman, noch die rechte Bindung zu den Mitspielern. Aber das ist auch kein Wunder nach 24 Stunden in Deutschland und keiner echten Trainingseinheit mit den Lions. Das könnte nächsten Samstag schon ganz anders aussehen, wenn das Rückspiel in Dresden ansteht.
Lions-Punkte: Goebel (8), Milhouse, Adams, Rosemann (je 6), Steinhagen (2).

