Lions spielen schön, aber erfolglos
Braunschweig Mit einer 24:34 (3:10, 10:7, 3:10, 8:7)-Niederlage gegen die Berlin Rebels verabschiedeten sich die Lions von ihrem treuen Anhang aus der Saison.
Dieses Jahr gab es für die Braunschweiger, die immer noch deutsche Rekordmeister sind, nur 4 Siege in 14 Bundesliga-Spielen und auch im vierten Jahr in Folge nach dem letzten Titelgewinn und einem kompletten Neuaufbau keinen erkennbaren Fortschritt.
Der neue Cheftrainer Phil Hickey hat zwar stets von einer Mannschaft gesprochen, die das Potenzial hat, mit den ganz Großen der Bundesliga mitzuhalten. Gezeigt hat dieses Vermögen seine Mannschaft aber nur ansatzweise und überhaupt erst nach fünf Nachverpflichtungen, die wirklich Besserung brachten. Allerdings erst nach der Sommerpause. Und da waren die Play-offs für die Lions ohnehin nur noch zu erreichen, wenn alles zusammenpasst. Passte es aber nicht. So wie Sonntagnachmittag.
Über weite Strecken hat es wie in den letzten Spielen richtig Spaß gemacht, den Lions zuzuschauen. Doch das Team schaffte es vor 3000 Zuschauern eine Woche nach dem 31:30-Hinspielsieg nicht, die Konzentration durchgehend hochzuhalten. Die Gäste übrigens auch nicht.
Spielentscheidend war, dass die Lions aus dem Ballbesitzrechte kurz vor der Pause und auch gleich zu Beginn der zweiten Hälfte kein Kapital schlugen. So kann man nicht gegen einen Gegner gewinnen, der hart bis an der Grenze des Erlaubten spielt und manchmal auch darüber hinaus. Dem setzten die Lions Leidenschaft entgegen und den Versuch, die Aufgabe mit Spielwitz und mannschaftlicher Geschlossenheit zu meistern.
Bis zwei Minuten vor Schluss hätte dieser Plan auch noch aufgehen können. Doch die Berliner setzten die berühmte sportliche Brechstange ein und punkteten spielentscheidend allein durch die individuelle Klasse ihrer Stars.
Das Konzept der Braunschweiger, die Verantwortung vor allem im Angriff breit zu fächern, wurde nicht belohnt. Das lag aber auch wesentlich an der außergewöhnlich guten Abwehr der Rebels, die dieses Jahr so wenige Punkte zuließen wie kein anderes Team.
Eine tragende Säule der Rebels-Abwehr war die ganze Saison über ein bekannter Braunschweiger: Patrick Finke. Der 29-Jährige hatte sich mit den Lions nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen können, so beendete er seine Karriere in der Hauptstadt gestern.
Kurios: Da das Duell mit den Rebels verlegt worden war, musste Finke einen Tag nach seiner Hochzeit, die er nach dem ursprünglichen Spielplan terminiert hatte, noch einmal spielen. „Ich habe mich am Samstag sehr zurückgehalten mit dem Alkohol, weil ich unbedingt noch einmal in diesem Stadion spielen wollte. Und zwar mit einer guten Leistung.“ Das ist ihm gelungen. Ein Comeback schließt das Abwehr-Ass aus: „Vor mir stehen vier Jahre Abendschule. Da kann man Football vergessen.“

