Kiel war für die Lions eine Nummer zu groß
Kiel Nichts zu holen gab es für die Braunschweiger Footballer beim deutschen Vize-Meister in Kiel. Die Niederlage fiel allerdings mit 20:59 zu hoch aus.
Es war auch aus Braunschweiger Sicht richtig schön anzusehen, was es gestern Nachmittag im Kieler Holstein-Stadion zu bestaunen gab. Vor dem Anpfiff des Football-Bundesligaspiels zwischen den Baltic Hurricanes und den Lions gab es nämlich ein Interview mit der frisch gekürten Miss Germany, Isabel Gülck aus Elmshorn. Wenig später begann das Spiel. Und dann wurde es ganz schnell unschön für die Braunschweiger.
Der deutsche Vizemeister zeigte eine wahrlich meisterliche Leistung und bezwang die Lions überdeutlich mit 59:20 (10:0, 21:6, 21:7, 7:7). Mann des Tages war Ballfänger und Kicker Julian Dohrendorf, der allein 35 Punkte erzielte.
Die ganze Stadt feierte das Wochenende die Handballer des THW, die mit ihren Rekorden große Sport-Geschichte geschrieben haben. Und als wollten die Footballer der Hurricanes zeigen: Hey, uns gibt es auch noch!, gaben sie gegen die Lions Gas als ginge es nur in diesem Spiel um den Titel. Ein Feuerwerk von Spielkunst prasselte von einem eingespielten Spitzenteam auf die Braunschweiger ein. Dem waren die arg ersatzgeschwächten Lions nicht gewachsen.
Es ist schwer, Football-Fans, die es nicht gesehen haben, glaubhaft zu vermitteln, dass vieles bei den Männern von Cheftrainer Phil Hickey besser lief als in den Partien zuvor. Diesmal gab es nicht einen Ballverlust und auch keine Dusselfehler wie zuletzt in Lübeck. Trotzdem war der Traum von einem Coup schon zur Pause geplatzt.
Spielmacher Michael Herrick suchte und fand immer wieder seine Ballfänger. Doch als klebte das Pech an den Handschuhen der Wide Receiver, blieben viele Chancen ungenutzt. Das lag nicht nur an den Fängern. Auch Herrick warf mal etwas zu hoch, zu kurz oder zu weit. Aber erstaunlich war es schon, wie oft es die Lions schafften, sich bis kurz vor die Endzone der Kieler zu spielen. Wie es gemacht wird, wenn man den Gegner richtig zermürben möchte, zeigten dagegen die Gastgeber.
Entweder sie punkteten schon nach wenigen Spielzügen mit erfolgreichen Pässen oder Läufen über das halbe Feld. Oder ihnen gelang solch ein Wunderwurf oder -Lauf ausgerechnet mit dem letztmöglichen Versuch, nachdem die Lions-Abwehr alles im Griff zu haben schien.
Beeindruckend war die Körpersprache der Lions trotz des hohen Rückstandes. Sie ließen niemals die Schultern oder Köpfe hängen. Auch versuchten sie, Raffiniertes zu zeigen, was man nur wagt, wenn das Spiel auf der Kippe steht; kurzum, die Lions spielten bis zum bitteren Ende, als stünde es ausgeglichen.
Respekt!
Trotzdem kassierten sie schon die dritte Niederlage in Folge. Um sich um den Klassenerhalt keine größeren Sorgen machen zu müssen und die Play-offs nicht aus den Augen zu verlieren, ist ein Sieg nächsten Sonntag im Rückspiel gegen Lübeck unbedingt nötig.
Dann werden die Lions-Fans im Eintracht-Stadion auch ein neues Gesicht sehen, denn schon heute soll ein neuer Allround-Spieler aus Kalifornien einfliegen. Nick Jones heißt der Mann, der einen englischen Pass besitzt und deshalb auch zeitgleich mit zwei Amerikanern auf dem Platz stehen darf. Der 28-Jährige stand schon bei Spitzenteams in Finnland und Spanien unter Vertrag. Jones kann in der Abwehr als Defense Back oder im Angriff als Ballträger und als Ballfänger eingesetzt werden.
„Wir haben so viele Verletzte und kranke Spieler. Deshalb brauchen wir einen zusätzlichen Akteur, der variabel eingesetzt werden kann“, sagte Hickey und fügte hinzu: „Das ist schon ein guter Spieler, aber er allein wird es nicht schaffen, dass alles besser wird. Um das zu schaffen, müssen alle mithelfen. Das Ergebnis heute ist furchtbar, aber trotzdem haben wir uns in vielen Stücken ein bisschen verbessert.“
Das sollten sich die Lions gestern schon abgeschaut haben: Wie man siegt nach einem nicht so guten Spiel wie es die Kieler in der Woche zuvor gegen die Berlin Rebels hatten. Kiels Wiedergutmachung ist gegen die Lions gelungen. Nun muss die Wiedergutmachung der Lions gegen Lübeck klappen. Das wäre zu schön. Auch ohne Miss Germany.


