"In der Küche sind wir schon Meister"
Hausbesuch bei den Lions-Spielern Marceline und Crockett vor dem German-Bowl-Finale in Stuttgart
BRAUNSCHWEIG. Sein Wirkungskreis ist der Abwehr-Rückraum, doch Fragen nach seiner sportlichen Zukunft beantwortet Matt Crockett offensiv: "Ich will am Samstag mit den Lions den German Bowl gewinnen."
Titelhunger hat den 26 Jahre alten Football-Spieler aus den USA im Anschluss an seine Stationen Wien und Stuttgart nach Braunschweig gebracht. Auf Fragen nach einer möglich Vertragsverlängerung antwortet er, dass hierfür nach dem Finale noch genügend Zeit sei. Als hätten sie das selbe College besucht, visiert auch Crocketts Mitbewohner der Lions-Wohngemeinschaft im Heidberg, Laurent Marceline, derzeit nur die Scorpions, den Endspielgegner am Samstag im Stadion am Stuttgarter Fernsehturm an.
Marceline hat schon fünf Endspiele gewonnen
Der 29 Jahre alte Ballträger besitzt bereits eine umfangreiche Titelsammlung und hat fünf von sechs Finalspielen um die französische Meisterschaft gewonnen. Selbst die NFLE-Rekordkulisse von 62 000 Zuschauern brachte den früher in Düsseldorfer Diensten stehenden Runningback nicht aus der Ruhe. Da werden die zu erwartenden 10 200 Fans, die mehrheitlich den Gegner im Ortsteil Degerloch anfeuern werden, keine Belastung sein.
"Die Stuttgarter stehen erstmals im Finale, die Lions haben es schon fünfmal gewonnen. Wir werden ihnen von Beginn an klarmachen, dass sie keine Chance gegen uns haben", sagt Marceline, der sonst eher ein Mann kurzer Sätze ist.
Und wie sind die Aufgaben im Haushalt unter den beiden verteilt? Es gibt keinen klassischen Koch oder Putzteufel in der Zweier-WG. "Wir sind beide Spätaufsteher und erledigen die Aufgaben gemeinsam, da sind wir schon Meister und brauchen keine Hilfe", scherzt Crockett, der aus seiner Stuttgarter Zeit mit Quarterback Ira Vandever und einigen Scorpions befreundet ist.
Diese Verbundenheit ruht morgen für zweieinhalb Stunden oder weniger, denn die Schwaben bevorzugen das zeitraubende Laufspiel über die Runningbacks Tony Avella und Patrick Geiger. Beide stuft Dogan Özdincer, Cheftrainer der Berlin Adler, als wohl bestes Ballträger-Gespann Europas ein.
Er sei gerade nach Braunschweig gewechselt, weil er in einem professionell geführten Verein spielen wollte, der Titel sammelt und eine der größten Fangemeinden hinter sich hat. Crockett: "In Wien kamen höchstens 4500 Zuschauer, in Stuttgart noch weniger. Die Lions-Fans sind super. Sie sorgen stets für tolle Stimmung und in jedem Heimspiel für eine noch größere Kulisse. Das setzt zusätzliche Kräfte frei."
Schloss und Heidbergsee sind die Lieblingsplätze
"Wir sind nach dem Training gern auf ein paar Drinks in unserem Stammlokal", verraten die Footballer. Was sie noch lieben? Schloss und Heidbergsee.
Spielfreie Wochenenden werden zu Kurztrips nach Hamburg oder Berlin genutzt, wo einige der Lionsspieler wie Dennis Zimmermann wohnen. Da geht es dann durch die Club- und Musikszene. Dies sei das einzige, was die beiden an ihrem derzeitigen Wohnort etwas vermissen.
Für einen Höhepunkt des Braunschweiger Sportlebens können der in Chicago aufgewachsene Crockett und der aus Paris stammende Marceline mit sorgen. Falls die Lions am Samstag ihren sechsten Titel als deutscher Footballmeister erringen, dann wird am Sonntag, 14. Oktober, die große Football-Gemeinde der Lions von 14 bis 16 Uhr oder auch etwas länger bei der Saisonabschlussfeier am Schloss ihren Rekordmeistermeister hochleben lassen.



