„Ich spüre nur den Druck, den ich mir selbst mache“
Braunschweig Lions-Cheftrainer Phil Hickey erzählt im Interview, wie er vor dem Start in die Bundesliga die Lage bei den Braunschweiger Footballern einschätzt.
Erst gut im Europapokal, dann schlecht. Doch das alles zählt nicht mehr, wenn am Samstag in Hamburg für die Braunschweiger Footballer die Bundesliga beginnt, GFL genannt. Ausgerechnet gegen den Erzrivalen Blue Devils.
Als Sie im Vorjahr kurz vor Saisonschluss ihr Amt in Braunschweig übernommen hatten, lief es von Spiel zu Spiel besser bei den Lions. Wie sehen Sie die Entwicklung nach einem halben Jahr Zeit mit dem Team?
Grundsätzlich positiv. Die Mannschaft ist weiter zusammengewachsen. Vor allem, was die Mannschaftsteile betrifft. Letztes Jahr gab es eine Offene-Mannschaft und eine Defense-Mannschaft, die wenig miteinander zu tun hatten. Das hat sich geändert. Die Spieler haben begriffen, dass nur alle zusammen etwas bewirken können. Aber abgeschlossen ist dieser Prozess noch nicht.
21 neue Spieler stehen in Ihrem Kader. Nach welchen Kriterien wurden die Zugänge ausgewählt?
Eines muss jeder mitbringen, der bei mir Football spielen will: Absolute Leidenschaft, ein Herz für Football. Alles andere können wir beibringen, denn ich habe um mich herum einen hervorragenden Trainerstab.
Wieviel Leidenschaft steckt denn in ihrer Mannschaft? Zuletzt im Spiel gegen die Triangle Razorbacks schien doch bei einigen der letzte Biss zu fehlen.
Das war auch für mich die große Enttäuschung. Das war auch die Folge von mangelndem Trainingseinsatz wegen Schule, Studium, Beruf, was weiß ich. Das sind alles wichtige Dinge. Aber es ist eine Frage, wie man sein Leben organisiert. Man kann das hinbekommen. Das scheint aber heutzutage ein grundsätzliches Problem zu sein. In München, wo ich vorher tätig war, brachten vielleicht zwölf Mann diese Leidenschaft. Bei den Lions sind es mehr als doppelt so viele, die alles mitbringen, um Meister zu werden. Aber es müssen mindestens 40 sein. Als ich noch gespielt habe, gab es niemals solche Probleme.
Sie sprechen immer wieder von ihren Führungsspielern, die große Verantwortung tragen...
Das stimmt, aber bei uns spielt wirklich jeder eine Rolle. Und wenn er die gut spielt, werden wir in der Bundesliga jeden Gegner schlagen können.
Wie wichtig ist das Auftakt-Spiel?
Enorm wichtig. Da treffen zwei ehemalige Übermannschaften aufeinander. Die Rivalität ist immer noch groß. Und ganz Football-Deutschland schaut, was passiert. Dieses Spiel möchtest du nun wirklich nicht verlieren. Aber nicht zuletzt durch diese besondere Atmosphäre wird es sehr schwer. Auch wenn Hamburg als Aufsteiger antritt, haben die Devils eine sehr starke Mannschaft.
Schauen wir ein paar Spiele voraus. Was wäre für Sie ein guter Saisonstart?
Wir haben den Mund ganz schön voll genommen und gesagt, dass wir ins Endspiel wollen. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können. Aber wir müssen es auch beweisen. Der Saisonstart ist für uns erst gut, wenn wir mindestens drei der ersten vier Spiele gewonnen haben.
Das hört sich nach reichlich Erfolgsdruck an.
Ich weiß, dass unsere Fans viel von uns erwarten. Aber ich spüre niemals Druck, außer den, den ich mir selbst mache. Und der ist immer sehr hoch. Ich freue mich auf die Saison, darauf, dass es endlich losgeht.
Für wie stark halten Sie die Konkurrenz?
Ich denke, dass fast alle Teams auf einem ähnlichen Level stehen, auch die Aufsteiger. Es wird lange dauern, bis sich einer klar auf Abstiegskurs befinden wird.
Was ist ihr größter Wunsch unabhängig von Siegen und Titeln?
Dass die Lions nicht nur eine sehr gute erste Garnitur haben, sondern dass auch die Tiefe im Kader stimmt. Daran arbeiten wir Trainer jeden Tag. Im optimalen Fall muss jeder Spieler absolut ersetzbar sein.
•Hamburg Blue Devils – Lions,
Samstag, 18 Uhr,
Adolf-Jäger-Kampfbahn


