Hochkaräter in der Lions-Abwehr
BRAUNSCHWEIG. Diamanten entstehen unter extremem Druck. Sie sind wertvoll und müssen geschliffen werden, um zu noch wertvolleren Brillanten zu werden. Kerim Homri, Abwehr-Ass der Lions-Footballer, ist erst 21 Jahre alt und hat doch schon einen kräftigen Schliff bekommen.
Seit Jahren hat es keinen Braunschweiger Abwehrspieler mehr gegeben, der eine solch imposante Statistik am Ende der Saison vorweisen konnte. In den bislang 13 Partien erzielte Homri 117 Tackles, brachte also Gegenspieler mit Ballbesitz ebenso oft zu Fall. So gut ist dieses Jahr kein anderer Abwehrspieler in der deutschen Eliteliga. Zum Vergleich: Im Vorjahr war US-Importspieler Chris Graham der beste Braunschweiger – mit 69 Tackles in 13 Partien. Und in der bislang letzten Meistersaison des deutschen Rekordtitelträgers kam Patrick Finke mit 75 Tackles in 15 Partien an die erste Stelle.
Schon bei seinen ersten Trainern galt Homri, der in der zweiten Abwehrreihe als Linebacker auftrumpft, als ein Rohdiamant. Mit 16 fing er in Salzgitter mit Football an, schaffte auf Anhieb den Sprung in den Landeskader. Und dort blieb er auch nach seinem Wechsel zu den Junior Lions.
"Der Sprung in den Männerbereich war dann sehr hart für mich", erinnert sich Homri und schildert, wie vor zweieinhalb Jahren zwei Herzen in seiner Brust schlugen: "Du weißt, dass du als junger Spieler wohl nicht spielen wirst und von der Seitenlinie Erfahrung sammeln musst. Du weißt das, aber es macht dich wahnsinnig."
Doch Ungeduld im Zaum zu halten, hat Homri gelernt – beim Boxen. Im Team von Heros Salzgitter schaffte er es als Jugendlicher bis zum norddeutschen Meister. Und nur wegen einer Verletzung blieb ihm der Kampf um den nationalen Titel verwehrt.
Boxen, Basketball und Football hat er damals parallel betrieben. "Irgendwann wurde das zu viel wegen der Schule, und ich musste mich entscheiden."
Der junge Mann, der auf der Ricarda-Huch-Schule sein Abitur machte, entschied sich für Football. "Es gibt keinen Sport, in dem der Zusammenhalt im Team so groß ist", begründet er und schiebt nach: "Football ist eine Herausforderung, die körperlich immer an die Grenzen geht, oft darüber hinaus. Als Linebacker musst du enorm flexibel sein, das gefällt mir – kräftig, aber trotzdem schnell, um die durchbrechenden, Haken schlagenden Gegner mit dem Ball stoppen zu können."
117 Mal ist das dem 1,80-Meter-Mann mit 109 Kilogramm durchtrainiertem Kampfgewicht gelungen in einer Saison, die viele Lions-Fans am liebsten vergessen würden. Fast nur Homri wird sich gern daran zurückerinnern. Dieses Jahr hat sich der 21-Jährige, der in Hannover ein Studium zum Fitness-Ökonom absolviert, seinen Schliff geholt. Aus dem Rohdiamanten ist dank seines brillanten Spielverständnisses ein Juwel geworden, ein Hochkaräter.
Seine Erfolgs-Philosophie: "Auf der anderen Seite gibt es beim Football keine Freunde." Das sollen Samstag auch die Stuttgarter zu spüren bekommen. "Gegen die Scorpions will ich nochmal eine richtige Duftmarke setzen."
