Heiß ersehnte Punkte für die Lions und eine kalte Dusche
Football-Meister beendet Niederlagen-Serie mit 17:7-Erfolg in Stuttgart
STUTTGART. Sie jubelten, tanzten auf dem Platz, fielen sich in die Arme und übergossen ihren Trainer Dogan Özdincer mit einer Tonne voll klebrigem, kaltem Erfrischungsgetränk. Nach drei Niederlagen in Folge feierten die deutschen Football-Meister Braunschweig Lions in Stuttgart ausgelassen ihren ersten Bundesliga-Sieg seit Ende Mai.
Und sie mussten schwer kämpfen, ehe der 17:7 (7:0, 0:0, 0:0, 10:7)-Auswärtserfolg bei den bislang in diesem Jahr zu Hause ungeschlagenen Scorpions fest stand. Der völlig neuformierte Rekordmeister ist wieder im Geschäft im Kampf um die Play-off-Plätze.
"Was die Jungs in Stuttgart gespielt haben, war in Ordnung. Da durften sie mich auch mal duschen", meinte Özdincer gestern. Und er gab zu bedenken: "Wir haben eine extrem junge Mannschaft. Viele, die auf dem Platz Verantwortung übernehmen müssen, waren vor dieser Saison bestenfalls Ersatzspieler und saßen meistens nur auf der Bank. Und andere besitzen zwar großes Talent, kamen aber von unterklassigen Teams zu uns." Daraus folgert Özdincer: "Wir werden nicht nur schlauer und besser nach Siegen, sondern auch nach Niederlagen."
Özdincer betont ausdrücklich, dass er nicht der Nachfolger des gefeuerten Cheftrainers Javier Cook ist, sondern lediglich ein Mitglied des gesamten Trainerstabs, der gemeinsam die wichtigsten Entscheidungen trifft. Trotzdem fungierte der ehemalige Berliner, der als Abwehrspezialist gekommen war, in Stuttgart als Offensiv-Coach.
Seine auffälligste Entscheidung: Auf der Spielmacher-Position ist Dennis Zimmermann nicht mehr der alleinige Herrscher. Zimmermann und Reserve-Quarterback Pepijn Mendonca erhielten gleich große Spielanteile. "Beide haben ihre Sache ordentlich gemacht", urteilte Özdincer.
Der Erfolg in Stuttgart war trotzdem in erster Linie ein Verdienst der Abwehr. Bis kurz vor Schluss hielt die Defensive ein im Football seltenes zu Null. Und auch die endgültige Entscheidung erzwangen Abwehrspieler. Kurz vor der Scorpions-Endzone attackierten Jens Heinecke und Christian Fuchs den Stuttgarter Spielmacher Ira Vandever derart kompromisslos, dass dieser den Ball aus den Händen gleiten ließ. Patrick Finke fing den Ball in der Endzone zum Interception-Touchdown. Und dann wurde geduscht. Zu allererst der Trainer.
