Halber Lions-Spaß fürs ganze Geld
Braunschweiger spielten groß auf, aber nur bis zur Pause – Mit Konzentrationsmängeln den Gegner aufgebaut
BRAUNSCHWEIG. Zum 13. Mal in Folge erreichten die Lions das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft im American Football. Die Braunschweiger besiegten die München Cowboys 32:10. Nächste Gegner sind die Marburg Mercenaries.
Eine Halbzeit lang spielte der deutsche Rekordmeister aus Braunschweig in meisterlicher Form auf. Das reichte, um den Senkrechtstarter des Jahres aus der bayerischen Hauptstadt deutlich in die Schranken zu weisen.
"Die erste Hälfte war gut. Damit bin ich zufrieden", urteilte Lions-Cheftrainer Javier Cook. Und die meisten der 4027 Braunschweiger Fans im Stadion waren es auch. 32:0 stand zur Pause auf der Anzeigentafel. Vorrangig war das ein Ergebnis eigener Stärke und weniger der Schwäche des Gegners. Denn dass der Südgruppenaufsteiger des Vorjahres Football spielen kann, bewiesen die Münchner in Durchgang zwei recht eindrucksvoll.
"Es kann nicht sein, dass wir durchwechseln und dann Leute, die von der Bank kommen, mental überhaupt nicht bei der Sache sind. Wer auf dem Platz steht, muss hundert Prozent konzentriert sein. Wenn das nicht der Fall ist, spielen wir eben nächstes Mal in Bestbesetzung zu Ende. Da kenne ich keine Gnade", war Cook angefressen vom Auftritt seines Teams nach dem zweiten Viertel.
Doch nicht nur Reservisten patzten. Mit einem Mal waren auch die Etablierten wieder wie zuletzt so oft undiszipliniert, begingen völlig unnötige Regelwidrigkeiten, kassierten Raumstrafen und machten damit den Gegner stark. Keiner nimmt es den Braunschweigern übel, nach 32:0-Führung einen Gang herunterzuschalten, wohl aber, plötzlich den Rückwärtsgang eingelegt zu haben. Nicht zuletzt ihren treuen Fans sind die Lions-Spieler mehr schuldig.
Das Spiel gegen München hat deutlich gezeigt, dass sowohl der Braunschweiger Angriff als auch die Abwehr zum Besten gehört, was in Deutschland auf den Football-Plätzen steht. Bei Südmeister Marburg am Sonntag um 15 Uhr wird es aber nicht reichen, nur einen Teil des Spiels lang das Zepter in der Hand zu halten.
Vom ersten Spielzug an war das Bemühen der Lions erkennbar, die Katastrophen-Leistung vom Auswärtsspiel in Kiel vergessen zu machen. "Wir haben wohl den Arschtritt in Kiel gebraucht", meinte Abwehr-Ass Sebastian Reilmann. "Dass wir heute über weite Strecken so diszipliniert gespielt haben, hat uns sehr geholfen, hier zu gewinnen. Denn die Münchner waren richtig gut, haben uns enorm auf Trapp gehalten."
Bombensicher verteilte Spielmacher Dennis Zimmermann die Bälle, warf zehnmal und fand zehnmal in Folge den Adressaten. Mit einer starken Mischung aus variablen Laufangriffen und wechselnden Ballfängern wurde München von einer Verlegenheit in die andere gebracht. Dann war plötzlich Pause – in jeder Hinsicht.
