Glücksmomente sind rar bei den Lions
Braunschweig Bis zwölf Sekunden vor der Pause glimmte ein Hoffnungsschimmer im Eintracht-Stadion, dass die Lions eine Sensation gegen Kiel schaffen könnten.
Doch dann ließen die Gastgeber in ihrer Konzentration nach und konnten dem überragenden Team der Kiel Baltic Hurricanes nicht mehr Paroli bieten.
So spiegelte sich im Endergebnis von 20:42 auch nicht mehr wieder, dass die Braunschweiger fast eine Hälfte lang mit den vorzeitigen Nordmeistern auf Augenhöhe spielten. Allein dies aber ist in der aus Lions-Sicht völlig verkorksten Saison als ein Erfolg zu sehen.
Als sich Fehler bei den Gastgebern einschlichen und sie Ballverluste fabrizierten, nahm das Schicksal seinen Lauf. Jenes, das fast allen Nord-Bundesligisten unterlaufen ist gegen die alles überragenden Kieler. Im Schnitt 23 Punkte Differenz betrug die Höhe der Hurricanes-Siege. Der Erfolg in Braunschweig lag also sogar knapp unter dem Durchschnitt.
Die beiden Hälften im Heimspiel gegen Düsseldorf zwei Wochen zuvor und die beiden ersten Viertel gegen Kiel waren das Beste, was die Männer von Cheftrainer Phil Hickey diese Saison geboten haben. Doch eben solches Niveau zeigen inzwischen im Gegensatz zu früheren Jahren eine ganze Handvoll Teams. Wollen die Lions ihr Ziel erreichen, nämlich möglichst schnell zurück in die deutsche Spitze, müssen ihre außergewöhnlichsten Leistung der laufenden Saison Standard werden und jedes Mal abrufbar sein, wenn sie den Platz betreten.
„Leider ist das wahr: Wir haben es in einem ganzen Jahr nicht geschafft, uns weiterzuentwickeln“, gestand Hickey ein. Seit gut einem Jahr ist der Amerikaner in Braunschweig als Cheftrainer und Manager tätig.
Dass es nicht wie gewünscht voranging, liegt hauptsächlich an zwei Dingen. Zum einen besaß Hickey vor Saisonbeginn gar kein gutes Händchen mit den Verpflichtungen von Co-Trainer und Spielern aus den USA. Erst Korrekturen Mitte der Spielzeit glichen dieses Defizit weitgehend aus. „Vielleicht“, gesteht Hickey ein, „war das zu spät.“ Und zum anderen haben die vielen jungen Talente, die neu ins Team gekommen sind, langsamer als erhofft oder immer noch nicht jene Leistungs-Stabilität gefunden, die nötig ist. Und so blieben Glücksmomente sehr rar.
In einem Sport, in dem die meisten Akteure gar kein Geld und der Rest deutlich weniger als in anderen Sportarten verdient, sind Glücksmomente besonders wichtig. Und nicht zuletzt auch für die Fans. Die waren dankbar für die Leistung ihrer Idole und jubelten den Lions selbst nach der dicken Packung gegen Kiel zu. Es ist relativ einfach, den Braunschweiger Anhang glücklich zu machen, wobei hin und wieder ruhig auch mal ein Sieg herausspringen sollte. Was die Fans allerdings am meisten benötigen, sind Identifikationsfiguren, Stars, die genug Zeit bekommen, um sich richtig in ihren Herzen festsetzen zu können. Importspieler, die länger bleiben als nur ein paar Monate.
„Das wollen wir tun. Erste Gespräche hat es schon gegeben. Vor allem Willie Milhouse wollen wir versuchen, für mehrere Jahre zu binden“, erklärte Hickey. Milhouse ist wohl das Beste, was den Lions passiert ist, seit Kelvin Love Braunschweig vor einem halben Jahrzehnt verlassen hat. Aber auch Pete Adams, Nicolas Jones und Alexander Tounkara will man unbedingt wiedersehen. Nicht nur nächsten Sonntag bei den Berlin Rebels und die Woche darauf zum Abschluss daheim gegen die Rebels.
