Friese: Jetzt ist wieder eine Linie drin
Nach vier Jahren Verletzungspause in die Bundesliga zurückzukehren, ist schon etwas Besonderes. Mike Friese hat es geschafft und durfte bei Braunschweigs Footballern schneller wieder Verantwortung als Spielmacher übernehmen als geplant. Über die bislang turbulente Saison bei den Lions und das Spiel gegen Spitzenreiter Kiel sprach der 27 Jahre alte Pharmazie-Student mit Redakteurin Ute Berndt.
Herr Friese, in dieser Saison ging es bisher drunter und drüber bei den Lions. Sie waren plötzlich Spielmacher Nummer eins, dann kam der Trainerwechsel von Seth Womack zu Phil Hickey – Wie haben Sie diese unruhige Zeit erlebt?
Ich bin ja erst seit zwei Monaten wieder dabei und habe gerade noch die Endphase des alten Trainers miterlebt. Das war ganz schön chaotisch. Der neue Trainer hat inzwischen Ruhe reingebracht. Die neue Offense ist leichter zu verstehen und macht auch mehr Sinn.
Das klingt nach Aufbruchstimmung.
Ja! Es macht richtig Spaß mit dem neuen Trainer. Alle wollen wieder, dass endlich Samstag ist. In der zweiten Hälfte in Kiel war gut zu sehen, dass es voran geht. Auch wenn wir kaum Punkte gemacht haben – das hat uns enorm motiviert.
Glauben Sie denn, dass Sie den Spitzenreiter nun schlagen können?
Wenn wir einen guten Tag erwischen und nicht so viele Fehler machen und Strafen kassieren wie in Kiel, könnte es möglich sein. In der zweiten Hälfte haben wir die Kieler auf drei Punkten gehalten, auch wenn sie nicht mehr in Bestbesetzung gespielt haben. Wir sind nicht überrollt worden, sondern haben uns eher selbst geschlagen. Wenn diesmal alles passt, können wir den Spieß vielleicht umdrehen.
Was hat Sie mehr als vier Jahre außer Gefecht gesetzt?
Ich hatte ein Problem mit dem Rücken. Ein Wirbel hatte sich verschoben und hat auf das ganze Nervensystem gedrückt. Es war ein komplizierte, langwierige Sache. Zu kompliziert, um sie in Kürze zu erklären. Jedenfalls habe ich seit 2006 nicht mehr gespielt und habe mich erstmal meinem Studium gewidmet. Erst seit eineinhalb Jahren kann ich wieder Sport treiben, und bei den Lions bin ich nach dem zweiten Spieltag wieder eingestiegen. Eigentlich wollte ich erstmal nur wieder reinschnuppern.
Dann waren Sie plötzlich Spielmacher Nummer eins, weil Dennis Zimmermann sich freiwillig zurückgezogen hatte.Wie sind sie damit umgegangen?
Das war natürlich überraschend, in der Halbzeit des Stuttgart-Spiels, da sollte ich auf einmal spielen. Das habe ich dann halt gemacht, und es hat ja auch ganz gut geklappt. Wir haben zwar nicht gepunktet, aber den Ball besser bewegt. Und mit dem neuen System klappt jetzt alles viel besser.
Zuletzt in Kiel haben Sie sich mit Zimmermann als Quarterback viertelweise abgewechselt, der nun mit Phil Hickey wieder seinen Spaß am Spiel gefunden hat. Teilen Sie sich auch künftig die Rolle?
Das ist noch offen, in Kiel war es vorher so abgesprochen. Es ist ganz gut, wenn man nicht ständig unter Druck steht. Andererseits stört es manchmal den Spielfluss, wenn es gerade gut läuft, und dann ist Viertelpause. Im dritten Viertel hatte ich nur einen Drive, weil meist Kiel am Ball war. – Entweder wir tauschen weiter hin und her oder einer kristallisiert sich als der Stärkere heraus.
Wäre es denn möglich und sinnvoll, sich diese Führungsrolle zu teilen?
Das kann schon funktionieren. Wir sind ja etwas unterschiedliche Spielertypen, das bringt Variabilität rein.
Wo liegen Ihre jeweiligen Stärken?
Mir fällt es schwer, über mich selbst zu sprechen. Unsere Passgenauigkeit ist jedenfalls ungefähr gleich, in Kiel war es fast identisch. Aber Dennis hat auf jeden Fall mehr Erfahrung.
Haben Sie das Gefühl, dass die Lions nun mit Phil Hickey eine neue Erfolgsära starten können?
Ja, ich denke schon. Es war wirklich eine konfuse Saison. Erst hatten wir einen Trainer, dann kam der nicht, dann wurde es Seth Womack, dann war plötzlich der Geschäftsführer weg. Aber jetzt ist wieder eine Linie drin, und auch die Sponsoren sind wieder heiß. Ich hoffe, dass wir diese Saison noch positiv abschließen können mit dem Play-off-Einzug, und dann müsste es nächstes Jahr von Anfang an gut laufen. Im Prinzip machen wir jetzt schon den Aufbau für nächste Saison. Und wenn der Trainer schon feststeht und seine Philosophie, lässt es sich auch im Winter viel besser arbeiten.

