Einfach nur den Ball wegschießen – oder ganz weit laufen
Patrick Finke wandelt eine fast verunglückte Aktion in einen Geniestreich um
BRAUNSCHWEIG. Die deftige Standpauke war Patrick Finke nach einer kuriosen Aktion während der Football-Bundesliga-Partie gegen die Essen Assindia Cardinals gewiss. Doch als Lions-Cheftrainer Matthias Engisch erfuhr, dass der Husarenritt von Finke keiner Absicht entsprang, sondern aus der Not heraus geboren war, hagelte es Lob für den Abwehr-Spezialisten.
Und das war passiert: Beim wahrlich noch nicht entscheidenden Spielstand von 14:0 – ähnlich einem 2:0 beim Fußball – Anfang der zweiten Halbzeit schaffte es der Braunschweiger Angriff nicht, in drei Versuchen die geforderten zehn Meter Raumgewinn zu erzielen. Und da sie durch Strafen noch weiter zurückgeworfen wurden, waren für einen neuen ersten Versuch plötzlich 22 Meter zu gehen.
Nun trat Finke auf den Plan, um im vierten und letzten Versuch mit einem Punt nach weitem Rückpass den Ball so weit wie möglich nach vorn zu schießen. Wo der Ball dann liegen bleibt, beginnt der nächste Angriff der Gegner.
Der Ball kam, Finke fing, wollte schießen, zögerte einen Moment und rannte los. Ab durch die Mitte. Der Hüne schnitt mit voller Wucht durch eine Zwei-Mann-Mauer wie ein heißes Messer durch die Butter, haute regelkonform den dritten Gegenspieler zur Seite, den vierten und den fünften. Dann endlich wurde Finke gestoppt. Nach 23 Metern! Die Folge: Neuer ersten Versuch für die Lions. Fünf Spielzüge später erzielten die Braunschweiger das 21:0 – die Vorentscheidung.
"Ich hatte nicht den Plan, den Punt nur anzutäuschen. Aber von der Seite kam ein Abwehrspieler auf mich zu. Und ich hätte nicht so schießen können, wie ich wollte. Da blieb mir nur die Flucht nach vorn", erklärte Finke seinen Geniestreich.
