Ein Spektakel wie die Mondlandung
Braunschweig Der Superbowl sprengt alle Dimensionen: Eine TV-Werbeminute kostet fünf Millionen Euro.Die Lions-Footballer laden zur Party in die VW-Halle.
Da werden Kindheitserinnerungen wach. Wenn man hierzulande miterleben will, wie in Amerika etwas Außergewöhnliches passiert, muss der Wecker gestellt werden – oder man „macht durch“.
So wie vor über 40 Jahren bei Boxkämpfen von Ali oder Frazier. Oder wie bei den Mondlandungen. Auch Sonntag ist in den USA wieder so ein Tag und für uns so eine Nacht. Superbowl, das größte Eintages-Sportspektakel der Welt. Das Endspiel um die amerikanische Football-Meisterschaft verfolgte im Vorjahr eine dreiviertel Milliarde Menschen an den Fernsehern weltweit. Diesmal werden es nicht weniger sein, wenn sich in der Nacht zum Montag in Indianapolis die New York Giants und die New England Patriots gegenüberstehen.
Auch in unserer Region verfolgen seit Jahren viele Menschen das Superbowl-Spektakel. Nicht zuletzt haben die Erfolge der Lions aus Braunschweig, des deutschen Rekordmeister, die hiesige Football-Begeisterung gehörig geschürt.
Und die Lions tragen dem Rechnung, organisieren erstmals seit Jahren wieder eine Veranstaltung zum Superbowl. Es sind die neuen Lions, die wieder ganz hoch hinaus wollen in Deutschland und Europa.
Für Phil Hickey, der die Ämter als Cheftrainer und Manager ausübt, gilt die Devise: „Was wir machen, machen wir groß.“ Und so mieteten die Lions die Braunschweiger VW-Halle für eine Superbowl-Party.
„Ich rechne mit mindestens 500 Gästen“, sagt Hickey. Geschnürt hat er ein kurzweiliges Zwei-Stunden-Programm, das um 21.30 Uhr beginnt und vor Beginn der Superbowl-Übertragung auf einem 30 qm großen Bildschirm gegen Mitternacht endet. Live-Band, Shows und nicht zuletzt die Vorstellung seines neuen Teams sind geplant.
Dafür fliegt extra der neue Abwehr-Boss Dave Easely ein. Die neuen Importspieler werden noch nicht dabei sein, aber geplant sind Videobotschaften der künftigen Lions-Stars, vielleicht klappen Live-Schaltungen zu ihnen, etwa nach Kalifornien.
Von dorther stammt auch Hickey. „Und würde ich nicht die Party in Braunschweig haben, wäre ich sicherlich wegen des Superbowls nach Hause geflogen.“ In den ganzen USA, erzählt der Lions-Coach, fiebern die Menschen dem Superbowl entgegen. „Das ist ein großes Volksfest und wie ein National-Feiertag. Schon Stunden vor dem Spiel trifft man sich mit Freunden, grillt gemeinsam oder macht Partys.“
In Indianapolis feiern Zehntausende von Football-Fans schon die ganze Woche. Rund um die Arena gibt es von morgens bis abends Ausstellungen und Veranstaltungen. Die wenigsten dieser Fans besitzen allerdings ein Ticket für das Spiel, sie werden sich das Spektakel vor den Toren der Arena auf riesigen TV-Leinwänden ansehen. So wie die Braunschweiger in der VW-Halle.
Die enorme Begeisterung für den Superbowl hat auch ihren Preis: Mehr als fünf Millionen Euro kostet eine TV-Werbeminute. Viele Spots sind Raritäten, werden extra für den Superbowl produziert. Wie im Vorjahr ist Volkswagen am Ball und gehört zu den fleißigsten Werbekunden. Kurios: Laut einer Umfrage sollen 15 Prozent der Superbowl-Zuschauer nur an der Werbung und nicht am Spiel interessiert seien.
Solche Übertragungen aus den USA sind in jeder Hinsicht bunter geworden seit Ali, Frazier und den Mondlandungen. Und das Weckenlassen oder das Durchmachen lohnen sich mehr denn je.



