Ein Sieg, der nicht glücklich macht
Braunschweiger beklagen Verletzte – Zimmermann fällt mehrere Wochen aus, Davis die ganze Restsaison
BRAUNSCHWEIG. Es lief vor 6521 Zuschauern wie am Schnürchen für die Lions – aber nur 141 Sekunden lang. Dann verletzte sich Spielmacher Dennis Zimmermann an der Schulter und musste raus. Ihm droht eine mehrwöchige Pause.
"Es war für uns ein hässliches Spiel und ein sehr teures", sagte Cheftrainer Javier Cook.
Noch viel schwerer als Zimmermann erwischte es Ryan Davis. Der 125 Kilo schwere Abwehrspezialist zog sich Mitte des dritten Viertels Verletzungen im linken Knie zu. Erste Diagnose: Mehrfache Bänderrisse und Meniskusschaden. Besonders traurig: Die Familie des US-Boys verfolgte das Spiel auf der Tribüne – Davis wurde am Samstag 24 Jahre alt. Ein Geburtstag, den er wohl nie vergessen wird.
"Auch als Zimmermann so früh gehen musste, wollte ich ein abwechslungsreiches Spiel aufziehen, mit Pässen und Laufspiel. Aber mir sind einfach die Anspielstationen ausgegangen", sagte Cook.
Christian Bollmann musste als etatmäßiger Ballfänger auf die Quarterback-Position. Normal ist Star-Angreifer Kelvin Love als Ersatz vorgesehen, doch der war wegen eines Todesfalls in die USA heim gereist und kommt erst am Mittwoch zurück.
Mit Oliver Krahn fiel nach einem guten Fang in der zweiten Hälfte ein weiterer Wide Receiver aus. Blieb als Pass-Empfänger fast nur noch Jörg Heckenbach. Der war nach mehrmonatiger Verletzungspause erstmals dabei und deshalb keine Option für beliebig viele Anspiele.
Dennoch bewies Heckenbach eindrucksvoll, dass er wieder fit ist. Gleich im ersten Spielzug, seinem einzigen, warf Zimmermann auf Heckenbach, der einen Raumgewinn von 35 Metern erzielte. Ein Meilenstein für die frühe 7:0-Führung.
Fortan wurde wenig geworfen und viel gelaufen mit dem Ball. Doch es dauerte eine ganze Weile, bis sich der neue Runningback Michael Andrew so in Szene setzen konnte, wie es sein erster Auftritt vor zwei Wochen versprochen hatte. "Ich war mächtig nervös vor der Heimpremiere", gestand der Engländer ein. "Diese Fans, diese Kulisse, diese Stimmung – es war einfach phantastisch. Ich hoffe, dass ich nächste Saison einen Vertrag hier bekommen kann." Dem Mann kann geholfen werden, vielleicht schneller als er denkt. "Andrew empfiehlt sich nachdrücklich für die nächste Saison", lobte Klubvorsitzende Ute Schmidt.
Dass auch Abwehrspieler Haken wie Hasen schlagen können, bewies DeMario Williams. Er fing einen Kick der Gäste in der eigenen Endzone und brachte den Ball verfolgt von der gesamten Kölner Mannschaft und perfekt unterstützt von seinen Teamkollegen nach 96 Metern bis in die Endzone gegenüber.
Einer der besten Einzelspieler auf dem Platz war Kölns Spielmacher Toby Henry. Wohl kein Zweiter musste soviel von der meist sehr aufmerksamen Braunschweiger Verteidigung einstecken wie er. Henry war der Turm in der Schlacht bei den Kölnern.
"Wenn er immer für uns gespielt hätte, würden wir wohl nicht da unten stehen. Schon fünfmal fehlte er uns", erzählte Kölns Cheftrainer Michael Hap. Sein Gegenüber Cook mag an einen so langen Ausfall von Zimmermann lieber gar nicht erst denken.
