Ein Geheim-Code versteckt den Angriffsplan
Abstimmung zwischen Football-Center und Spielmacher sind Erfolgsschlüssel – Ansagen in Ziffern und Worten
BRAUNSCHWEIG. Die Musik aus den Lautsprechern verstummt. Die Spieler der vordersten Linien beider Football-Teams stehen sich nur wenige Zentimeter Kopf an Kopf gegenüber. Center Patrick Neff legt die Hand auf den Ball. Gleich wird er ihn durch die Beine nach hinten an Spielmacher Dennis Zimmermann weitergeben. Die sonst so lautstarken Fans der Braunschweig Lions sind plötzlich mucksmäuschenstill.
Im weiten Stadionrund hört man Zimmermann Kommandos. Bruchteile von Sekunden später geht’s los, krachen gegnerische Football-Spieler zusammen, und auf den Tribünen tobt der Anhang.
Die Spieleröffnung gehört beim Football zu den schwierigsten Komponenten. Die Ruhe vor dem Sturm soll der eigenen Mannschaft helfen. Jeder Akteur soll mitbekommen, was gespielt wird. Aber warum noch einmal? Sekunden zuvor erst standen doch die Angriffsspieler zusammen und haben besprochen, wie der nächste Spielzug aussieht.
"Ich muss an der Linie erkennen, wie der Gegner verteidigen will. Und deshalb muss ich dann unseren Plan anpassen", erklärt Zimmermann. Rund 150 Grundspielzüge haben die Lions zur Verfügung. Abwandlungen nicht inbegriffen, das Repertoire scheint grenzenlos. Die Codes, die Zimmermann an der Linie ausgibt, sehen so aus: Die erste Ziffer bezeichnet das System, etwa 8 gleich kurzer Pass. Die zweite Ziffer bestimmt die Passkombination, also wer wann wohin laufen muss, etwa 3, zusammen also 83. Dann folgt ein Wort, das für die Art des Blockens steht, wie der Weg frei gemacht werden soll. Und schließlich gibt es eine Ziffer, die verrät, hinter welchem Wort, mit welchem Laut Zimmermann den Center auffordert, ihm den Ball zu geben.
"Es ist ein Riesenvorteil, dass die Offense bestimmt, wann der Spielzug beginnt", sagt Patrick Neff. Aber nur dann, wenn alles blitzschnell geht. Der neue Center der Lions harmoniert mit Zimmermann perfekt. Beide kennen sich aus der Nationalmannschaft.
"Dennis macht es einem aber auch besonders leicht. Er nimmt den Ball, wie er kommt, hat keinerlei Allüren", sagt Neff. Doch soviel Leichtigkeit hat ihren Preis. Neff: "Man muss das immer und immer wieder üben." Allein vor Saisonbeginn zwischen 2000 und 3000 Mal.
"83, Adler links, zwei – Hut, Hut." So ähnlich hört sich eine Ansage an. Logisch, einen echten Spielzug verraten die Lions nicht. Alles streng geheim. Zumal morgen schon der nächste Gegner wartet.
Lions – Assindia Cardinals, Samstag, 19 Uhr, Eintracht-Stadion

