Ein Familienduell um den Football-Meistertitel
Benno Zindel spielt für die Braunschweig Lions, Bruder Niko für die Kiel Hurricanes
BRAUNSCHWEIG. Im Duell der Zindel-Brüder steht es 1:1. Das Hinspiel hatte Benno Zindel (23) mit Football-Rekordmeister Braunschweig Lions 16:14 gewonnen. Am 30. August nahmen die Kiel Baltic Hurricanes mit 33:14 deftig Revanche.
Diesen Termin hat sich frühere Lions-Trainer und heutige Kieler Coach Kent Anderson im Kalender sicher ebenso rot angestrichen wie der 21 Jahre alte Niko Zindel, den klaren Erfolg über den sechsfachen Titelträger und seinen Bruder Benno.
Der aus Kiel stammende Verteidiger der Lions war anschließend den Frotzeleien seiner früheren Mitspieler ausgesetzt. Zumal er sie mit einem T-Shirt-Aufdruck "Crunch (zerdrück) die Canes" derb vorher provoziert hatte. Das Schlimmste, Bruder Niko, der dem Älteren bei gemeinsamen Segeltouren meist das Ruder überlässt, hatte die familiäre Oberhand gewonnen. Bevor sich Benno Zindel vor drei Jahren zum Industriedesign-Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig einschrieb, hatte er zusammen mit Niko und Bruder Arne (25), der Helm und Pads bereits an den Nagel gehängt hat, die grün-weißen Kieler Farben getragen.
"Noch haben wir keine familieninterne Wette laufen", erzählt Benno Zindel, der am Sonntag beim Finale in Frankfurt das Lions-Trikot mit der Nummer 39 tragen wird. Er schaffte aufgrund seines Sprungelenk-Bruchs erst in der dritten Saison den Sprung in das Bundesligaaufgebot. "Nur in Spezialteams können wir uns auf dem Feld treffen", sagt Benno, der ältere, aber 20 Kilo leichtere der Brüder. Sollten wir beim Kick-off-Return aufeinander prallen, geht's voll zur Sache. Wir haben Spaß am Körperkontakt und uns beim Football noch nie schwer verletzt. Den Knöchel hatte ich mir in Kiel beim Rodeln gebrochen."
Ist das Erreichen des Finales bislang der Höhepunkt der Kieler Football-Geschichte, haben die Lions bereits zum zwölften Male hintereinander das Endspiel um den German Bowl erreicht. Dank sechs Meisterschaften teilen sie sich den Rekordmeistertitel mit den Düsseldorf Panthern.
Einer, der wie die Hurricanes dem ersten Titel entgegenfiebert ist Lions-Cornerback David DeArmas. Von 2002 bis 2004 wurde er mit den Braunschweigern Vizemeister. Auch bei den Stuttgart Scorpions, einem zweiten Platz mit den Hamburg Blue Devils sowie 2007 in Kiel blieb ihm der Erfolg versagt. "Den Pott will ich wenigstens einmal in meiner Karriere in den Händen halten", versichert der Deutsch-Amerikaner, der zwei Tage nach dem Finale in der Main-Metropole seinen 32. Geburtstag feiert und sich am Samstag selber ein vorzeitiges Geschenk machen möchte. Der Pott und ein schwerer Meister-Ring würden seine Laufbahn krönen.
Dies Ziel peilt auch Kiels Nummer 29, Niko, der jüngste der Zindel-Brüder an. Der 104 Kilo schwere Verteidiger: "2007 sind wir in Marburg im Viertelfinale ausgeschieden. Jetzt stehen wir im Endspiel und wollen uns den Traum erfüllen." Auch Bruder Benno will unbedingt als erster der Familie den Meisterpokal in die Höhe stemmen. Er hatte Recht, als er sich nach der Pleite in Kiel verabschiedete: "Wir sehen uns wieder im Finale in Frankfurt." Am Main soll die Schmach von der Ostsee getilgt werden.



