Drei Alleskönner für die Lions
Braunschweig. Braunschweiger Football-Team verpflichtet zwei weitere Amerikaner und einen deutschen Nationalspieler
Die ersten Wochen des Jahres sind im American Football immer Wochen der Entscheidungen – in den USA spitzt sich dann stets der Titelkampf zu, in Deutschland das Ringen um die besten Spieler für die Bundesliga. Die Lions eilen diesbezüglich von Sieg zu Sieg.
Mit Reid Worthington und Ronald Sears verpflichteten die Braunschweiger zwei weitere Spieler aus dem Mutterland des Footballs, nachdem sie bereits vor einer Woche alles klar gemacht hatten mit dem neuen Dreh- und Angelpunkt im Lions-Angriff, mit Spielmacher Michael Herrick. Das Trio soll in Angriff und Abwehr die tragenden Rollen spielen. Nicht minder wichtig für das Team des deutschen Rekordmeisters, der sich nach Jahren der Erfolglosigkeit anschickt, wieder ganz nach vorn zu kommen, ist die Rückkehr von Nationalspieler Lenny Greene.
Wenn Trainer Phil Hickey über die Neuen spricht lobt er stets den Charakter der Jungs. Doch was meint er damit? „Es geht darum, dass sich meine Führungsspieler nicht wie Stars benehmen, sondern alles tun, um der Mannschaft zu helfen. Es geht um ihre Einstellung zum Sport und zu unserem System, das sich deutlich von dem in Amerika unterscheidet“, erklärt Hickey.
Was Sears für ein Typ ist, hat der Braunschweiger Cheftrainer und Manager schon zweimal erlebt – in Lübeck und in München. „Ronald wird uns sehr weiterhelfen, er ist ein sehr guter Allroundern, kann fast überall eingesetzt werden, als Passempfänger, als Passverteidiger und sogar als Spielmacher, obwohl wir da ja gut ausgestellt sind“, schwärmt Hickey über den 26-Jährigen. „Ich habe ihn von Anfang an auf meinem Wunschzettel stehen gehabt.“
Auf Worthington trifft letzteres nicht zu. Auf den Linebacker, also ein Verteidiger aus der zweiten Abwehrreihe, kam er erst durch Herrick, den besten Kumpel von Worthington. „Doch als ich mir dann seine Videos angeschaut und mehrfach mit ihm gesprochen habe, war mir klar: Den brauchen die Lions“, sagt Hickey. „Reid ist ein richtiges Arbeitstier. Der will so oft es geht und am liebsten immer auf dem Feld stehen. Deshalb spielt er neben der Abwehr auch in den Special Teams.“ Und Hickey fügt hinzu: „In den USA ist jeder Spieler stark spezialisiert, und es ist deshalb sehr ungewöhnlich, dass Worthington als College-Spieler in die Auswahlmannschaften als Linebacker und für die Spezial Teams berufen worden ist.“
Dass Herrick und sein Kumpel beide erst 23 Jahre alt sind, sieht Hickey nicht als ein Problem an: „Die kommen beide aus Kalifornien, sind aber in ihren Karrieren schon sehr weit herumgekommen in den USA. Sie sind gewohnt, sich in der Fremde zurechtzufinden und freuen sich beide auf ihr Abenteuer Europa.“
Als weiterer stabilisierender Faktor für ein Team, „das sehr gut Football spielen kann, es aber vergangenes Jahr nicht gemacht hat“, so Hickey, wurde Lenny Greene verpflichtet. Der Routinier hatte 2007 mit den Lions den bislang vorletzten deutschen Titel gewonnen und war dann nach Kiel gewechselt. Der Passverteidiger soll auch abseits des Feldes in der Organisation der Lions kräftig mitarbeiten.
Und zum Organisieren gibt es genug. Vor allem die Bindung zu den Fans soll wieder deutlich enger werden als in den vergangenen Jahren. Deshalb werden die Lions auch zum Endspiel der US-Meisterschaft am 5.Februar eine große Superbowl-Party in der VW-Halle ausrichten. Geplant ist ein zweieinhalbstündiges, packendes Programm mit der Superbowl-Übertragung auf einer 30 Quadratmeter großen Videowand im Anschluss und als Höhepunkt.

