Die Lions suchen einen Fußballer
Kicker Steffen Dölger hört auf – Football-Rekordmeister will Nachfolger bei Probetraining für Jedermann finden
BRAUNSCHWEIG. Braucht man wirklich einen guten Fußballer, um über das Tor zu schießen? Das kann doch jeder! Oder? Nicht unbedingt, nicht, wenn es darum geht, einen Kicker zu finden, der auf höchstem Niveau die Bälle genau dort hinschießt, wo sie hin sollen.
Und das ist beim American Football nicht ins, sondern über das Tor – und genau zwischen die Stangen. Aus 20, 30 Metern Entfernung, am liebsten auch aus 40 Metern. "Und wenn wir jemanden bekommen sollten, der das auch traumwandlerisch sicher aus 50 Metern schafft, hätten wir alles, was wir brauchen", sagt Dirk Miehe, Sportdirektor der Braunschweig Lions.
Die deutschen Football-Rekordmeister suchen händeringend einen neuen Kicker, weil der beste Braunschweiger Mann aller Zeiten auf dieser Position nicht mehr zur Verfügung steht. Steffen Dölger ist bei den Lions seit 15 Jahren mit Unterbrechnung der Mann für Kicks und Punts.
Punt wird "Pant" gesprochen und meint das Wegtreten des Balles aus der Hand – hoch, weit und genau dorthin, wo er hin soll. Kein Problem, mag jetzt der eine oder andere denken. Aber bitte auch bedenken: Der Ball ist nicht rund beim Football, sondern ein Ei. Flugeigenschaften ab Werk mangelhaft! Da hilft einzig eine gute Schusstechnik für die richtige Richtung.
Und weil keiner weiß, in wem das ganz große Football-Kicker-Talent wirklich schlummert, veranstalten die Lions ein Probetraining für jedermann. Und zwar am Samstag ab 14 Uhr auf der Sportanlage "Rote Wiese" in Braunschweig. Willkommen ist jeder, der sich zutraut, bereits in der im April startenden Footballsaison als Kicker fit zu sein.
"Wir lassen den neuen Mann natürlich nicht allein. Ich stehe gern für Tipps und Kniffe zur Verfügung, bis alles klappt", betont Dölger.
Der 34-Jährige hatte übrigens bei seinem Karriere-Start als Kicker niemanden, der ihm sagen konnte, was genau zu tun ist. Über Jahre hinweg verfeinerte Dölger autodidaktisch seine Technik und entwickelte sich bei den Lions zum drittbeste Punktesammler aller Zeiten.
Der ehemalige Wolfsburger kam einst vom Fußball zur Leichtathletik (Speer- und Hammerwurf) über das Eishockey zum Football. "Ich habe immer noch Spaß am Kicken, aber wegen Beruf und Familie will ich eine Pause machen", erklärt der verheiratete Architekt, der vor vier Wochen Papa geworden ist und versichert: "Wenn wir einen Kicker finden, der richtig gut ist, war es das mit meiner Football-Karriere."
Und nun sind Sie am Ball! Oder Sie! Was Sie brauchen, ist Athletik und einen großen Bums im Fuß. Und Zeit am Samstagmittag.
