Die Lions sind zum Siegen verdammt
Braunschweig Die neuformierten Lions blasen zum Angriff auf den deutschen Titel. Doch noch weiß keiner, wo sie einzuordnen sind. Nicht einmal sie selbst.
Wird das Football-Europapokalspiel gegen die Triangle Razorbacks ein Gradmesser? Fest steht, dass der dänische Meister, der sich zum ersten Lions-Heimspiel der Saison am Samstag vorstellt, ernst genommen wird. „Ich erwarte einen starken Gegner“, sagt Cheftrainer Phil Hickey, fügt aber auch einschränkend hinzu: „Einen deutlich besseren als es Mailand im ersten Spiel war.“
In Italien hatten die Lions mit 56:0 gewonnen und auch deshalb nur wenig Gegenwehr gespürt, weil der Cheftrainer des Gegners wenige Tage vor dem Spiel verstorben war und die Akteure wie paralysiert wirkten.
Dänen im Allgemeinen gelten in Europa nicht gerade als eine Football-Macht. Vielleicht deshalb hat man bislang nur wenig von den Razorbacks gehört, die in ihrem Land das Geschehen in ihrem Sport seit Jahren diktieren.
Zur Vorbereitung auf das Braunschweig-Spiel bestritten die Razorbacks gegen Kiel ein Testspiel. Der deutsche Vizemeister siegte mit 45:3. Die Lions wollen mehr als „nur“ deutscher Vizemeister werden.
Daraus folgt: Es ist wohl egal, wie hoch die Braunschweiger am Samstag gewinnen. Sie müssen es einfach nur tun, um sich nach ihren großen Worten nicht gleich der Lächerlichkeit preis zu geben.
Das wissen die Lions natürlich auch. Und deshalb wohl schienen sie in den vergangenen Trainingseinheiten noch einen Tick konzentrierter zu üben und noch ein bisschen ernsthafter die Spielzüge einzustudieren als üblich.
„Ich erwarte, dass die Mannschaft unseren Fans deutlich zeigt: wir sind wieder da“, lautet Hickeys Kampfansage. „Der Gegner fährt nicht hierher, um auszuscheiden. Aber auch wir wollen weiterkommen. Und das muss deutlich sichtbar sein auf dem Feld.“ Der Trainer spürt, dass er und sein Team zum Siegen verdammt sind.
Dazu braucht man einen schlagkräftigen Angriff. Mehr noch, die Fans lieben Football vor allem, wenn es spektakulär wird, wenn die Pässe weit fliegen – und dann auch gefangen werden. Hickey liebt das auch. Logisch, schließlich war er selbst einmal ein sehr guter Spielmacher. Und Quarterbacks wollen werfen und nicht nur ständig die Bälle Hand in Hand übergeben an den Ballträger.
„Michael Herrick hat sich sehr schnell eingefunden. Ich habe lange keinen Werfer gesehen, der so genau passen kann“, schwärmt der Coach über seinen neuen US-Spielmacher. Dabei werden viele Spielzüge den eingefleischten Fans aus dem Vorjahr bekannt vorkommen. Denn: „Wir haben das System kaum geändert. Aber das Personal hat sich geändert, und wir können die Optionen nun besser nutzen.“
Alles Aussagen, die erst bewiesen werden müssen. Aber sie erfüllen ihren Zweck. Die Lust auf Football, die Lust auf die Lions ist wieder voll entbrannt.
•EFAF-Europapokal,
Lions – Triangle Razorbacks,
Samstag, 28. April, 18 Uhr, Eintracht-Stadion



