"Die Fans haben es verdient, klasse Football zu sehen"
Interview mit Kiels Football-Trainer Kent Anderson vor Doppelduell mit den Lions
BRAUNSCHWEIG. Kent Anderson ist im deutschen Football so etwas wie der Meistermacher. Er holte den Titel mehrfach mit Braunschweig, aber auch mit Hamburg und Berlin. In Kiel könnte es dieses Jahr soweit sein. Vor den Duellen mit den Lions am Samstag in Kiel und in einer Woche in Braunschweig stand er Redakteur Frank Rieseberg Rede und Antwort.
Sie waren sehr erfolgreich als Trainer in Braunschweig. Vor wenigen Wochen wurde der Cheftrainer der Lions entlassen. Wäre Braunschweig für Sie wieder eine Option?
Ich habe in Kiel für fünf Jahre unterschrieben. Jetzt sind wir im dritten. Es ist in dieser entscheidenden Saisonphase der schlechteste Moment, um über sowas nachzudenken. Allerdings beschäftige ich mich schon sehr intensiv mit den Lions. Aber nur, weil sie zweimal in Folge unsere Gegner sind und wir Kieler zweimal gewinnen wollen.
Ist es ein Vorteil für Kiel, dass die Lions ohne Cheftrainer anreisen?
Nein. Wir Trainer können Taktik bestimmen, Finten ausdenken und motivieren. Aber alles, was tatsächlich auf dem Platz passiert, machen nur die Spieler.
Kiel ist Tabellenzweiter, Braunschweig Fünfter und Letzter. Das wird doch ein Selbstläufer für Sie, oder?
Das ist Blödsinn. Braunschweig ist sehr, sehr gefährlich und hat viele gute Spieler im Team. Während wir viele Spiele ganz knapp gewonnen haben, haben die Lions viele Spiele ganz knapp verloren. Der Unterschied ist nicht groß. Der Schein trügt. Aber gerade das ist gefährlich. Ich höre immer, das Braunschweiger Team sei im Umbruch. Was ist das? Die Spieler, die auf dem Platz stehen, sind nicht gebrochen. Die sind bärenstark. Gerade erst gehörten acht zum Nationalkader, soviele wie von keinem anderen Klub.
Was empfinden Sie vor Duellen mit den Lions?
Die Zeit in Braunschweig war etwas Besonderes in meinem Leben. Und Spiele gegen die Lions sind für jeden immer etwas ganz Besonderes. Da kommt der Rekordmeister. Da kommt das Team, das seit mehr als einem Jahrzehnt den Maßstab darstellt. Es werden sehr, sehr emotionale Spiele sein.
Im letzten Endspiel, im German Bowl, haben Sie mit Kiel noch gegen die Lions verloren...
Da waren wir noch nicht so weit. Dieser German Bowl kam für uns zu früh. Jetzt sind wir schon reifer.
Sie stützen sich wie damals in Braunschweig auf viele starke Importspieler. Was halten Sie vom Konzept der Lions, möglichst wenige Amerikaner im Team zu haben?
Die Fans haben es verdient, klasse Football zu sehen. Und unsere Amerikaner sind eine große Attraktion. Wir können es uns nicht leisten, ohne sie auszukommen.
Football-Bundesliga, Kiel – Braunschweig, Sa., 17 Uhr, Holstein-Stadion



