Devils-Star spielt nun den Oberteufel
Braunschweig Max von Garnier führte die ehemals glorreichen Hamburger Footballer als Trainer zurück in die Bundesliga. Gleich im ersten Spiel gegen die Lions.
Für Lions-Erzrivale Hamburg Blue Devils galt Ex-Ballfänger Maximilian von Garnier als ein Glücksfall, für alle Gegner als Albtraum. Samstag gibt es zum Football-Bundesliga-Start ein Wiedersehen der Braunschweiger mit dem Hanseaten, der nun als Cheftrainer bei den Devils fungiert.
Der frühere Vollblut-Athlet, einer der Besten seiner Zunft, die es je in Deutschland gab, hat ein bisschen zugelegt, seit er 2008 seine aktive Karriere beendet hat – an Gewicht und an Bedeutung. „Ich bin sehr glücklich, dass ich mein Hobby zu meinem Beruf machen konnte“, sagt der 41-Jährige, „aber ich hätte nie gedacht, dass es so viel Arbeit macht, Cheftrainer zu sein.“
Das liegt wohl auch daran, dass Max von Garnier viel mehr ist als ein Übungsleiter des Bundesliga-Rückkehrers, er gilt schlicht als der Mr. Blue Devil, der großes Interesse daran hat, dass sein Sport in Hamburg, im Norden und in ganz Deutschland eine gute Rolle spielt. Und damit ziehen der Hamburger und der Braunschweiger Cheftrainer Phil Hickey an einem Strang. „Wir sind gut befreundet“, sagt Hickey mit einem Grinsen. Die beiden kennen sich seit Jahren aus der deutschen Nationalmannschaft, in der von Garnier spielte und der Amerikaner Hickey als Coach assistiert.
Fast 22 Jahre dauerte von Garniers Spieler-Karriere, die meiste Zeit davon spielte er bei den Devils. Er stand mehrfach in den wichtigsten Endspielen und oft gegen die Lions. Seine größten Siege hat er gegen die Braunschweiger errungen, aber auch seine bittersten Niederlagen gegen die Braunschweiger kassiert. Fast alle deutschen Asse standen mal in Hamburg unter Vertrag oder in Braunschweig oder sogar bei beiden Teams. Doch für von Garnier kam ein Wechsel niemals infrage.
„Ich habe Hamburg und die Devils fest ins Herz geschlossen, hier niemals etwas vermisst und deshalb auch nie einen Grund zum Gehen gehabt“, erklärt der Oberteufel, der einst aus Berlin kam und in der Vereinsgeschichte der Devils sagenhafte 124 Touchdowns als Wide Receiver erzielte. Er beendete seine Karriere, als die Hamburger wegen finanzieller Probleme den Zwangsabstieg ertragen mussten und übernahm sie just in diesem Moment in der Regionalliga als verantwortlicher Coach.
Nach einem völligen Neuanfang glückte nach zwei Jahren der Sprung in die 2. Bundesliga und nun die Rückkehr ins Oberhaus. „Es war sehr einfach aufzusteigen, weil die Bundesliga aufgestockt wurde. Eigentlich hätte uns eine weitere Saison in der 2. Bundesliga ganz gut getan“, sagt von Garnier. Trotzdem gehen die Konkurrenten und natürlich auch die Lions davon aus, dass die neuen Blue Devils eine absolut bundesligataugliche Mannschaft stellen.
„Viele meiner Spieler habe ich schon als Kinder oder Jugendliche trainiert“, sagt der 41-Jährige und beschreibt ein Konzept, das auch die Lions gern umsetzen würden. „Es hat viel Arbeit gekostet, nach dem Kollaps, die Devils wieder interessant zu machen. In Hamburg ist das nicht einfach, in unserer Region gibt es zehn Football-Klubs, und beileibe nicht alle Spieler träumen davon, bei den Devils zu spielen.“ Trotzdem haben die Hanseaten mit von Garnier schon viel erreicht. „Wir haben im Verein 130 erwachsene Spieler und 170 Jugendliche.“
Was er allen mit auf den Weg geben kann, ist der Kern seiner eigenen Erfolgsgeschichte. „Ich war nur durchschnittlich begabt. Aber ich stand immer als Erster auf dem Platz und bin im Training als Letzter vom Feld gegangen.“ Ein Merksatz, der für alle gilt, die im Sport, im Football Erfolg haben wollen. Auch für die Lions.
•Blue Devils – Lions, Samstag, 18 Uhr,
Adolf-Jäger-Kampfbahn, Hamburg
