Der zwölfte Mann war überragend
Lions-Footballer lassen sich von Berlin Adler beim 7:38 vorführen – Nur Braunschweiger Publikum unschlagbar
BRAUNSCHWEIG. Wer nicht ein ganz dicker Fan der Braunschweig Lions war beim 7:38-Debakel gegen die Berlin Adler, dem fiel es spätestens ab Mitte des dritten Viertels extrem schwer, länger im Stadion zu bleiben.
Doch von den mehr als 4000 Zuschauern blieben fast alle bis zum Schlusspfiff. Und länger. Sie schienen den Spielstand zu ignorieren. Sie feuerten ihre hoffnungslos unterlegenen Football-Spieler ohne Unterlass an, als ginge es noch um den Sieg gegen den Meister.
Hunderte von Zuschauern warteten geduldig, bis ihre Idole nach Spielende an den Zaun kamen, waren dankbar für jeden Blick, für jeden Handschlag, für jedes Autogramm, das ihnen die Lions gaben. Alles wie immer. Wie groß muss diese Liebe sein?
Offenbar endlos. Aber nur scheinbar. Denn weitere solch uninspirierten Auftritte wird sich die Masse der Fans in Heimspielen nicht gefallen lassen. Sie werden nicht früher gehen. Sie werden einfach nicht mehr wiederkommen.
Mit Spielmacher Kyle Callahan hatten die Gäste den überragenden Mann des Tages in ihren Reihen. Ein Quarterback, der nur zu bremsen, aber niemals zu stoppen ist. Er kann nicht nur werfen, intelligente Spielzüge inszenieren, sondern auch selbst mit dem Ball nach vorn rennen. Und zwar so geschickt wie ein gelernter Ballträger.
Wer solch einen Trumpf in der Mannschaft besitzt, spielt gegen einen Gegner, der das nicht hat, wie mit Zwölf gegen Elf. Da hilft es auch nichts, wenn sich die Lions auf ihren starken zwölften Mann immer (noch) verlassen können – das Publikum.
Was die Lions völlig aus der Bahn warf, war Unvermögen. Anders als es der Endstand vermuten lässt, besaßen die Braunschweiger sogar mehrmals die Chance, zu Punkten zu kommen. Mehrfach schafften sie es nicht, in aussichtsreicher Position für einen Touchdown zu sorgen.
Stattdessen mussten sie zweimal ihren Kicker für Fieldgoals aus relativ kurzer Distanz aufs Feld schicken, um wenigstens drei statt die mögliche sieben Punkte zu erhaschen. Doch Tobias Goebel schoss daneben, einmal links, einmal rechts. Schuld an der derben Niederlage traf ihn aber weitem nicht allein.
Zu statisch waren viele Braunschweiger Angriffe aufgebaut. Und die Fähigkeit, auf taktische Finessen der Adler zu reagieren, existierte nicht. Die Trainer hatten ihr Team anders vorbereitet, als die Berliner dann tatsächlich spielten.
Die Coaches erkannten das schnell, änderten ihre Anweisungen, nur die Spieler konnten die neuen Informationen überhaupt nicht umsetzen. Weder der Angriff war dazu fähig, noch die Abwehr.
"Man merkt und genießt es, dass die Fans hinter einem stehen. Aber wir können es uns unter ihren Augen nicht noch einmal erlauben, uns so abschlachten zu lassen. Mir tut es für die Fans leid, was wir heute abgeliefert haben", sagte Spielmacher Dennis Zimmermann.
Mal sehen, ob wenigstens solche Erkenntnisse umgesetzt werden können.
