Der Mann für den finalen Kick
Der 18 Jahre alte Tobias Goebel ist bei den Braunschweig Lions für Nerven aufreibende Extrapunkte zuständig
BRAUNSCHWEIG. Tobias Goebel ist Fan schicker, schneller Autos. Und bei den Braunschweig Lions ist er für die Extras zuständig – als Kicker.
Vor Saisonbeginn suchten die deutschen Football-Rekordmeister einen Nachfolger für den über ein Jahrzehnt extrem zuverlässigen Steffen Dölger. Ob Extrapunkt nach Touchdown oder Fieldgoal – wenn Dölger zum Schuss anlief, konnten die Punkte praktisch schon gebucht werden. Wer so einen Mann im Team hat, kann stressfrei in knappen Spielen dem Ende entgegensehen.
Doch dann war Dölger weg – Karriere-Ende. Sein Nachfolger wurde auf spektakuläre Weise bei einem Jedermann-Training gesucht. Gefunden haben die Lions ein Trio, das ihnen ausbaufähig schien. Darunter befand sich auch Goebel. Doch weil der erst 18 Jahre alt ist, hat keiner damit gerechnet, dass ausgerechnet er sich schnell durchsetzen würde. Das hat er aber.
Goebel ist bei den Lions Kicker Nummer eins. Auch am Sonntag, wenn das sehr wichtige Heimspiel gegen die Dresden Monarchs ansteht. Es geht für den personell arg verjüngten Titelverteidiger darum, sich diesmal überhaupt für die Play-offs zu qualifizieren.
"Vor jedem Spiel bin ich nervös", erzählt Tobias Goebel. "Das geht schon Mitte der Woche los." Was den leidenschaftlichen Fußballer an seiner Football-Aufgabe besonders reizt: "Du kannst mit einem Schuss das ganze Spiel entscheiden. Davon träumt man." Aber es gibt auch den Albtraum, als der einzig Schuldige für eine Niederlage da zu stehen. Und das bei 45 Akteuren auf dem Spielformular.
Bei Heimspielen spürt Goebel noch größere Aufgeregtheit als sonst. "Das ist total krass. Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat. Diese vielen Leute, die einem zujubeln. Einfach sensationell", schildert er die Atmosphäre im Stadion.
Mit seiner bisherigen Leistung ist der Schüler recht zufrieden. "Das mit den Extra-Kicks klappt schon ganz gut. Nur bei den Fieldgoals läuft es nicht immer optimal", weiß der Linksfuß, der nach seinem Abschluss auf der höheren Handelsschule am liebsten Automobil-Kaufmann werden möchte. Ganz schön mutig angesichts der Wirtschaftslage.
Doch Goebel liebt das Risiko, den Nervenkitzel. Am Spielfeldrand verfolgt er Angriffszug um Angriffszug seiner Mitspieler. Misslingt der dritte von vier Versuchen, muss Goebel ran, um mit einem Fieldgoal-Kick wenigsten drei der möglichen sieben Punkte zu retten. "Da wirst du am Rand schon kribbelig, wenn es auf dem Feld gerade zum dritten Versuch kommt."
Lions – Dresden Monarchs, Sonntag, 15 Uhr, Eintracht-Stadion



