Der doppelte Dohrendorf
Wenn Kiels Footballer am Samstag Braunschweig zum Rückspiel erwarten, treffen auch zwei Brüder aufeinander
BRAUNSCHWEIG. Zwei Dohrendorf-Brüder spielen Football, Philipp bei den Braunschweig Lions und Julian bei den Kiel Baltic Hurricanes. Morgen spielen sie gegeneinander – zum zweiten Mal in ihrem Leben, zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen.
Vor einem Jahr noch gingen die beiden Dohrendorfs für den Zweitligisten Lübeck Cougars auf Punktejagd, jeweils in der Position des Ballfängers, Wide Receiver genannt. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten noch lange nicht auf, Zwillinge sind sie allerdings nicht. "Wir haben viele gleiche Interessen, aber völlig unterschiedliche Persönlichkeiten", sagt Philipp, der 23 Jahre alt ist. Sein Bruder zählt erst 20 Lenze.
Diese Neulinge in der deutschen Eliteliga haben es binnen kürzester Zeit geschafft, sich einen Stammplatz zu erobern, der eine beim deutschen Rekordmeister, der andere weiter nördlich beim Favoriten auf den nationalen Titel 2010.
Schon vor dem Aufeinandertreffen am Samstag in Kiel zur letzten Partie der Punktrunde steht fest: Beide Teams haben die Play-offs erreicht und spielen um die deutsche Meisterschaft mit. Ein drittes Duell der Dohrendorfs in einem Jahr wäre der Familientraum. Möglich ist das nämlich nur, wenn Kiel und Braunschweig das Finale erreichen.
"Wir stehen ständig in Kontakt. Und das hört vor Spielbeginn auch nicht auf. Während der Begegnung haben wir uns immer mal wieder etwas zugerufen, um den anderen ein bisschen zu ärgern", erzählt Philipp, der zugibt: "Wir können uns auch ganz schön fetzen."
Nicht nur Kiel und Braunschweig sind Themen, mit denen sie sich ärgern. "Wir beide mögen Fußball, allerdings bin ich Werder-Bremen-Fan und er hält zu Bayern München", sagt Philipp.
Oje, dann wird der Sonntag wohl gar nicht so harmonisch verlaufen wie nötig. Denn einen Tag nach dem Duell bei den Hurricanes zieht Julian um nach Hamburg, wo – wen wundert das noch – Philipp längst wohnt und studiert. Da ist es auch keine wirkliche Überraschung, dass der Jüngere wie der Ältere Lehrer werden möchte. "Beim Umzug helfe ich selbstverständlich mit", meint der Braunschweiger Dohrendorf und schränkt ein, "aber nur, wenn die Kieler uns nicht besiegen."
Da blitzt sie wieder auf, die Rivalität. Während Julian zu einem Erfolgsduo auf der Ballfängerposition gehört, teilen sich in Braunschweig vier ähnlich gute Akteure die Anteile. Deshalb hat Julian auch schon mehr als doppelt so viele Yards auf seinem Konto, die Einheit, in der verglichen wird.
"Ich bin stolz auf ihn", gibt der große Bruder zu und kündigt an: "Samstag gewinnen Werder und die Lions. Da muss er eben durch."
Kiel Baltic Hurricanes – Braunschweig Lions, Samstag, 18 Uhr, Holsteinstadion.



