Den Sieg gefeiert wie den Titelgewinn
BRAUNSCHWEIG. Am Ende stand das Stadion kopf. Die meisten der 3700 Zuschauer blieben noch lange nach Schlusspfiff, um ihre Helden zu feiern. Noch heftiger als in der Vorwoche gab es im Spiel der Braunschweiger Bundesliga-Footballer gegen die Stuttgart Scorpions eine Wechselwirkung von Kampfgeist auf dem Platz und begeisterten Reaktionen auf den Tribünen.
Nach dem letzten Saisonspiel wurden die Spieler des Tabellenvorletzten gefeiert, als wären sie gerade deutsche Meister geworden. Dabei hat es lediglich einen 28:16-Sieg gegeben, einen in der Tabelle völlig unbedeutenden, aber den ersten nach neun bitteren Niederlagen. Die Mannschaft präsentierte den Anhängern ein riesiges Transparent mit der Aufschrift "Danke, wir kommen wieder."
Eine Hälfte lang wirkten die Gastgeber müde, zollten ihren großen Personalproblemen mit zahlreichen Verletzten Tribut. Stammspieler, die spielten, waren zumeist angeschlagen oder halfen auf ungewohnten Positionen aus. Und dann klappte auch noch wenig von dem, was einstudiert worden war. Das brachte Cheftrainer Phil Hickey mächtig in Rage. "Wir üben die ersten zehn Spielzüge immer vorher ein. Es kann nicht sein, dass sieben davon nicht klappen, weil wir nicht das tun, was wir besprochen haben", erklärte er hinterher.
Nach der Pause war alles anders. So druckvoll, so unwiderstehlich, so erfolgreich haben die Fans ihren Angriff lange nicht mehr gesehen. "Der Schlüssel war unsere Offenseline, die einfach super gespielt hat und uns praktisch alle Wege freigeblockt hat", lobte Hickey. Und dann schlugen die Lions die bis dahin stark auftrumpfenden Stuttgarter mit deren eigenen Waffen: Druckvolles Laufspiel über verschiedene Ballträger im Wechsel mit eingestreuten, knallharten Pässen. Jabari Johnson und Austin Scott marschierten plötzlich fast nach Belieben über das Feld. Christian Bollmann fing selbst halb verunglückte Pässe. Das können sonst fast nur Amerikaner.
Doch der Held des Abends hieß Jacob Schridde. Den 19-Jährigen hatte keiner auf der Rechnung. Mit zwei starken Fängen erzielte er 12 Punkte für die Lions. "Ich komme aus der Lions-Jugend, trainiere seit ein paar Wochen mit der Bundesliga-Mannschaft. Manche Ballfänger haben Jahre gebraucht, um wichtige Anspiele zu erhalten. Ich bin extrem dankbar, dass der Coach mir sein Vertrauen geschenkt hat. Ein unglaubliches Gefühl, ein unglaublich schöner Tag", entfuhr es Schridde. Und das fanden die Fans auch.
