Den Lions fehlen Leidenschaft und Spielfreude
Braunschweig In den zwei folgenden Spielen gegen Dresden müssen die Braunschweiger Footballer die Erfolgsspur finden, um die Play-off-Chance am Leben zu halten
Der Auftritt der Hamburg Blue Devils in Braunschweig, ein möglicher Absteiger aus der Bundesliga, hat die Lions, selbst erklärter Titelanwärter, einiges gelehrt. Etwa das: 1. Niemals aufgeben; 2. Es ist egal, wie viele Spieler verletzt sind; 3. Es macht Riesenspaß, Football zu spielen.
Beim 38:36-Sieg der Lions nach 7:21-Rückstand am vergangenen Samstag haben letztlich genau diese drei Aspekte zum Erfolg geführt. Blamabel war der Gesamtauftritt der Männer von Cheftrainer Phil Hickey trotzdem. Die vom Papier her ähnlich starke Konkurrenz gewinnt gegen den Aufsteiger aus Hamburg auch schon mal mit 39:0.
Vor dem im Kampf um einen Play-off-Platz schon entscheidenden Doppel-Duell gegen die Dresden Monarchs am Samstag in Braunschweig und eine Woche darauf in Dresden stellen sich die Fans bohrende Fragen: Wo ist sie geblieben, die über Jahre, ja sogar Jahrzehnte vorbildliche Abwehr, die selbst an schlechten Tagen in der Vergangenheit positive Akzente setzte?
Warum konnte sogar der dritte, dann der vierte und schließlich auch noch der fünfte Quarterback der verletzungsgeplagten Devils nahezu bei jedem Wurf, manchmal sogar über das halbe Feld, gelungene Pässe anbringen? Warum haben Teams wie Hamburg eine ganze Handvoll Männer im Team, vor allem Deutsche, die auch Bälle zuverlässig fangen können und die Lions nicht?
Drei Siege hat das Hickey-Team in sieben Spielen geholt, ausschließlich gegen die beiden Aufsteiger aus Hamburg und Lübeck. Die Duelle mit Dresden werden zur Nagelprobe und zu einer Charakter-Prüfung. Zur Erinnerung: Im Vorjahr gewannen die Lions ohne die 21 Neuzugänge aus 2012 vier Spiele. Mehr sein sollten es diesmal unbedingt.
Warum Leute wie Quarterback Michael Herrick oder Abwehr-Trainer Dave Easley, die mit allerfeinsten Referenzen nach Braunschweig gekommen sind, nur sehr mäßigen Erfolg haben, wird auch langsam klar: Der neue Lions-Spielmacher hat nur wenige Anspielstationen, die zumindest ähnlich agieren und reagieren, wie das ein Amerikaner, dem der Football in die Wiege gelegt wurde, von fast jedem anderen Amerikaner erwarten kann. Das erfordert ein Umdenken, das Herrick immer besser umsetzen kann, aber noch nicht voll verinnerlicht hat.
Und Easley war es bislang stets gewohnt, mit den Besten zu arbeiten, mit Spielern, die sich hart durchsetzen mussten, um überhaupt so weit zu kommen, seine Kommandos zu hören.
In Braunschweig muss Easley jeden nehmen, der da ist. Ganz gleich, ob der versteht, was er umsetzen soll oder nicht. Unter solchen Voraussetzungen ist es bei aller individueller Klasse einzelner sehr schwer, eine schlagkräftige Truppe zusammenzubasteln. Es sei denn: 1. Die Spieler sind gewillt, niemals aufgeben; 2. Allen Akteuren ist es egal, wer von den Nebenleuten verletzt fehlt; 3. Alle finden einen Riesenspaß daran, Football zu spielen. Diese Spielfreude, solche Leidenschaft fehlt am meisten.
•Braunschweig – Dresden,
Samstag, 18 Uhr, Eintracht-Stadion

