Cheftrainer Hickey verpflichtet neuen Defense-Coach
Die zuletzt nicht eben vom Erfolg verwöhnten Braunschweiger Footballer haben eine fette Parole ausgegeben, an der sie sich messen lassen müssen: "Wir wollen deutscher Meister werden." Deshalb ist auch das Wintertraining härter als früher.
Die Ankündigung, wieder ganz nach vorn zu kommen, ist offenbar keine leere Worthülse des Hauptsponsors, der die Vermarktungsgesellschaft des deutschen Rekordmeisters (sieben Titel) jüngst übernommen hatte. Und auch kein großspuriges Gerede vom neuen Cheftrainer Phil Hickey.
Die Spieler, die erfahrenen und die Talente, sie glauben an sich, ihre Leistungsfähigkeit und arbeiten akribisch auf das große Ziel hin. Und sie haben sichtbar Spaß daran, ihre physischen Grenzen auszutesten. Beim Sondertraining auf Spinning-Rädern im Hygia-Fitness-Studio wurde viel gelacht und geflachst – bis Fitness-Trainerin Viktoria Kaufmann-Übermut den Footballern mal richtig Feuer gab. Da kochten die Sättel, da brannten bald die Beine der Männer aus den verschiedenen Mannschaftsteilen.
Ein paar Assistenztrainer der Lions machten mit. Hickey nicht. Der sah zu, grinste sich eins, war rundum zufrieden mit dem Einsatz seiner Jungs und schoss ein paar Fotos mit seinem Handy von seinen schwitzenden Schützlingen.
Dass der Cheftrainer so gut gelaunt war, hatte auch einen anderen Grund. Er ist nämlich fündig geworden auf der Suche nach einem Stellvertreter. Während er sich verantwortlich um den Angriff kümmert und mehrere Assistenten um die einzelnen Mannschaftsteile in der Offense, fehlte ihm noch ein Mann der Gleiches in der Defense tut. Bislang war Bastian Kypke dafür zuständig, doch der will als Coach kürzer treten, berufswegen. "Mein Plan war es, einen Defensecoach zu finden, der aus Amerika kommt, viel Erfahrung hat und sich möglichst mit den Besonderheiten in Europa auskennt", erklärt Hickey. Zu den Besonderheiten gehört etwa die hiesige Vereinsstruktur. Amateursport, wie er bei uns üblich ist, kennen die Amerikaner nicht. So haben viele Trainer, die erstmals nach Deutschland kommen, Probleme damit, dass ihre Spieler Feierabend-Footballer sind, teils im Schichtdienst arbeiten und eben nicht immer zur Verfügung stehen.
Dave Easely ist einer, der sich in Deutschland auskennt und gleichzeitig eine herausragende Vita als Coach bieten kann. Und der Kanadier hat zugesagt, zu den Lions zu kommen. "Ich bin sehr froh darüber", sagt Hickey und nennt Easelys Vorzüge: "Neben seiner Fachkompetenz ist er sehr leidenschaftlich, sehr menschlich und ein Football-Coach der alten Schule. Er wird uns sehr weiterbringen." Am liebsten würde Hickey seinen Defense-Coordinator schon Anfang Februar in Braunschweig begrüßen. Doch wahrscheinlich kommt Easely erst Anfang März.
"Das ist eine Geldfrage", erklärt der Cheftrainer und Manager in Personalunion und macht klar, dass die Übernahme der Lions durch das Modeunternehmen New Yorker nicht automatisch zu Reichtum geführt hat und auch nicht führen wird. Ein anderes Beispiel: "Ich habe mit einer Super-Kombination aus Quarterback und Runningback verhandelt, ein tolles Paket, das ideal zu uns gepasst hätte. Aber die beiden waren einfach zu teuer."
Die Suche nach einem Spielmacher genießt Priorität. Und Hickey hat noch zwei "sehr interessante Spieler" auf dieser Position an der Hand, die nicht nur gute Sportler sein sollen, so das Anforderungsprofil, "sondern charakterlich 1a sein müssen." Also das deutsche Amateur-Prinzip verstehen, akzeptieren und die Fans auch abseits des Spielfeldes glücklich machen. Ein meisterlicher Anführer eben.



