Besser gespielt – genauso hoch verloren
Lions unterliegen Spitzenreiter Kiel wie im Hinspiel 7:37 – Gutes Angriffsspiel durch Ballverluste getrübt
Die Bundesliga-Footballer der Lions haben mit 7:37 gegen Spitzenreiter Kiel verloren. 4174 Zuschauer im Eintracht-Stadion sahen die Niederlage, die so hoch wie im Hinspiel vor einer Woche ausfiel, aber doch ganz anders war.
US-Ballträger Austin Scott lieferte während des Duells mit den Baltic Hurricanes eine wunderbare Allegorie: Im Hinspiel in Kiel erzielte Scott den einzigen Lions-Touchdown nach einem Lauf über einen Meter. Am Samstag legte er 70 Meter in die Kieler Endzone zum zwischenzeitlichen 7:7 zurück.
In den zwei Wochen, in denen Phil Hickey Cheftrainer in Braunschweig ist und
alles im Angriff umgekrempelt hat, haben sich die Lions zwar nicht von eins auf
Hundert verbessert, aber immerhin auf 70.
„Braunschweig war viel stärker als
im Hinspiel“, stellte Kiels-Cheftrainer Patrick Esume anerkennend fest. Und
auch, dass sich sein Team derzeit nur selbst schlagen könne. „Durch Fehler,
Unkonzentriertheiten oder Überheblichkeit“, sagte Esume. Doch davon zeigten die
Hurricanes nichts. Dafür aber die Lions. Durch eine Kombination aus Fehlern und
Unkonzentriertheiten bekamen die Gäste zwei Touchdowns auf dem
Präsentierteller.
"Laufrouten mit mehreren Optionen"
Erst wurde ein Pass von Spielmacher Mike Friese abgefangen. Kiels Passverteidiger Derik Posdorfer profitierte von einem Missverständnis zwischen Spielmacher und seinem Passempfänger. „Wir haben Laufrouten für die Passempfänger, bei denen sie mehrere Optionen haben. Je nachdem, wie die Verteidigung steht. Aber das klappt noch nicht. Spielmacher und Passempfänger haben den Gegner unterschiedlich gelesen“, erklärte Hickey.
Das zweite Geschenk verteilte Friese zusammen mit Scott. Bei der Ballübergabe an den US-Amerikaner fiel das Leder-Ei zu Boden und Kiel konnte den freien Ball sichern. „Zwei solche Ballgewinne sind immer eine Motivation. Das bringt die Mannschaft in Fahrt“, sagt Posdorfer, der später noch einen zweiten Ball von Friese artistisch abfing.
Insgesamt konnten die Hausherren den Ball in der ersten Hälfte aber gut nach vorne bewegen. Auch nach der Pause, als Dennis Zimmermann das Kommando als Spielmacher übernahm, ging es immer weiter vorwärts. Allerdings fehlte den Braunschweigern die ganze Partie über die Durchschlagskraft, weil das Spiel zu sehr von dem starken Scott lebte. Vollständig Pässe blieben die Ausnahme.
Cheftrainer sieht Schwächen im mentalen Bereich
„Sicher gab es da einige Fehler, aber wir haben auch junge Spieler auf dieser Position“, sagte Hickey, der seinem Team einiges an Lob zusprach. „Wir sind viel weitergekommen, auch wenn das Ergebnis das nicht aussagt. Aber wir konnten den Kampf mit Kiel annehmen. Nach der Trainingswoche hatte ich ehrlich geglaubt, wir hätten sogar gute Chancen zu gewinnen“, berichtete der Cheftrainer, der besonders im mentalen Bereich Schwächen sah. „Physisch waren wir sehr gut, aber wir haben Fehler gemacht. Besonders die Strafen. Man kann nicht gegen Kiel gewinnen, wenn man im ersten Versuch 20 statt zehn Meter Raumgewinn erzielen muss“, sagte Hickey, der am Sonntag sein erstes Endspiel mit den Lions bestreitet: Verlieren die Braunschweiger zu Hause gegen Berlin, ist die Teilnahme an der Meisterschaftsendrunde nicht mehr zu erreichen. Aber wer in zwei Wochen von eins auf 70 kommt, schafft in einer Woche vielleicht den Sprung von 70 auf 100.
