Baustellen auf dem Football-Feld

Braunschweig  Die Heimpremiere vermasselt haben die Lions in der Football-Bundesliga. Mit 7:21 (0:7, 7:0, 0:7, 0:7) verloren sie gegen die Berlin Adler.

Die Braunschweiger, die sich vorgenommen haben, deutsche Meister zu werden, spielten vor allem im Angriff über weite Strecken ohne das nötige Selbstvertrauen, ohne Zielstrebigkeit in den entscheidenden Situationen, ohne Konzentration bei elementaren Football-Standards und ohne Disziplin und Beherrschung, als noch vieles zu retten gewesen wäre.

So kann man einen Gegner, der seit einigen Jahren zu den Spitzenteams der Bundesliga zählt, nicht in die Knie zwingen. Noch blamabler mutet diese Vorstellung an, wenn man hinterher Berlin Trainer Wanja Müller klagen hörte: „Wir mussten heute wegen Verletzungen mit dem letzten Aufgebot antreten und versuchen, das Beste aus unserer Situation zu machen. Das haben meine Jungs mit enorm viel Einsatz und Siegeswillen getan.“

Eigenschaften, die den Lions an diesem Tag fehlten. Dass es nicht leicht werden würde, wussten die Lions und ihr Anhang vorher. Dass es aber so leicht sein würde für die Adler, in Braunschweig die Punkte abzuholen, hätte auch niemand gedacht. Die Gastgeber gaben den gut 3000 Zuschauern das Gefühl, dass die Baustelle im Eintracht-Stadion nicht auf die Haupttribüne beschränkt war, sondern sich auch noch mitten auf dem Platz befand, mitten in den Reihen der Lions.

Im dritten Spiel in Folge verloren die Braunschweiger nach gutem Beginn die zweite Hälfte der Begegnung deutlich. Offenbar kommen die zum Teil sehr jungen Akteure nicht klar mit dem Druck, den sich der Verein mit der Zielvorgabe deutsches Endspiel selbst gemacht hat.

Der neue Quarterback Michael Herrick wirkte in vielen Spielsituationen wie ein Anführer ohne Gefolgschaft. „Herrick hat ein sehr gutes Spiel gemacht“, analysierte Cheftrainer Phil Hickey und fügte bitter dreinblickend hinzu: „Wir üben wieder und wieder im Training unsere Spielzüge. Das klappt auch. Aber im Spiel läuft jeder irgendwo hin. Dafür habe ich kein Verständnis.“

Die Folge: Fünfmal verloren die Lions das Angriffsrecht nach Pässen in des Gegners Arme oder nach Bällen, die ihnen durch die Finger rutschten. So verpuffte auch der eigentlich clevere Schachzug nahezu wirkungslos, Abwehr-Routinier Leonard Greene auch als Ballfänger im Angriff einzusetzen. Auch deshalb, weil diese Variante viel zu oft bedient (sechsmal) und viel zu selten Christian Bollmann angespielt wurde (dreimal). Der Star-Ballfänger der Lions wurde zwar permanent in Doppeldeckung genommen, aber trotzdem gelang ihm wenigstens ein Touchdown, der kurz vor der Pause plus Erhöhungskick von Tobias Goebel zum 7:7-Ausgleich führte und die Hoffnung auf einen Sieg am Leben ließ.

Die Abwehr der Lions spielte zwar auch nicht fehlerfrei, fing sich aber nach dem 0:7-Rückstand und begeisterte das Publikum. Dass Berlin dennoch zwei weitere Male punktete, lag vor allem daran, dass sie nach kapitalen Fehlern in der Braunschweiger Offense in derart günstiger Position in Ballbesitz kamen, dass sie fast nicht anders konnten als zu punkten. Fehler des Gegners gnadenlos zu bestrafen, ist ein wichtiger Faktor meisterlicher Spielkunst. So siegten die Adler im dritten Spiel zum dritten Mal und stehen an der Tabellenspitze.

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