Lions rüsten kräftig auf, doch Heidary meldet sich ab

Mehrere neue Footballspieler wurden für die schwächelnde Offenseline verpflichtet

Football wird in diesen Wochen nicht gespielt. Aber trotzdem arbeiteten die Verantwortlichen der Lions fast rund um die Uhr – bis gestern, als die Wechselfrist in der Bundesliga abgelaufen ist. Und herausgekommen sind gleich eine Handvoll personeller Änderungen.

Die Spiele im ersten Teil der Saison haben gezeigt: Die Lions können was. Aber zu selten zeigen sie es auch. Ein fetter Knackpunkt ist der Angriff. Und da im Besonderen die Schutztruppe des Spielmachers, die immer wieder und in der Summe zu oft den gegnerischen Abwehrreihen unterlegen war. Das Problem liegt sowohl in der Qualität, als auch in der Quantität.

Denn auch die Besten hatten wegen zu weniger Spieler in diesem Mannschaftsteil zu oft und zu lange auf dem Platz stehen müssen. Verschnaufpausen gab es meist nur deshalb, weil der Angriff aus Erfolgslosigkeit von der eigenen Abwehr zwangsläufig abgelöst wurde. So ist Football.

Doch Abhilfe naht. Wie berichtet haben die Lions mit Sören Wendland vor wenigen Tagen einen Offenseline-Spieler allererster Güte an Land gezogen. Mindestens genauso gut ist Kyle Fischer. Der US-Amerikaner hat bei den Braunschweigern einen Vertrag unterschrieben und wartet in Texas auf sein Flugticket. Er wäre der erste Importspieler in der Lions-Geschichte in der Offenseline. Wäre. Denn sein Kommen ist noch keinesfalls sicher. "Fischer hat dieses Jahr offenbar schon in den USA gespielt. Und der deutsche Verband will ihn deshalb mit einer Sperre von fünf Spielen belegen", schildert Co-Trainer Harald Völkel den Lions-Kummer in dieser Angelegenheit. "Dagegen haben wir Einspruch eingelegt, denn Dresden hat zwei vergleichbare Fälle im Team. Und diese beiden Amerikaner dürfen spielen." Eine Entscheidung des AFVD erwarten Fischer und die Lions täglich.

Mit Matthias Asger und Christian Welge stoßen zudem zwei ehemalige Jugendspieler der Lions neu zur Bundesliga-Mannschaft – ebenfalls einsetzbar in der Offenseline. Und was Völkel als "zusätzliches Schmankerl" bezeichnet, ist sogar ein echter Knaller: Mike Friese kehrt zu den Lions zurück. Der ehemalige Ersatz-Spielmacher zu Zeiten des legendären Adrian Rainbow galt bis zu seinem krankheitsbedingten Karriere-Ende 2005 als einer der besten Quarterbacks in Deutschland.

Nun will er ein Comeback feiern. Damit bekommt der unangefochtene Anführer Dennis Zimmermann einen, so hoffen die Trainer, gleichwertigen Mann neben sich gestellt.

Das waren die guten Nachrichten. Ganz schön viele. Aber dafür ist die schlechte Nachricht der Woche auch ein echtes Schwergewicht. Denn der erst zu Saisonbeginn nach Braunschweig gewechselte Ballfänger Hemaseh Heidary gehört nicht mehr zum Team. In fast allen Partien, die er für die Lions gemacht hat, war er bester Angreifer. Nach Star-Ballträger Sean Cooper ist dies der zweite unplanmäßige Abgang eines als Schlüsselspieler engagierten Akteurs.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte Heidary, der in Berlin wohnt: "Ich stehe kurz vor meinen Prüfungen und habe deshalb sehr viel Stress. Und danach habe ich ein Praktikum in Hamburg angenommen. Ich muss an meine Zukunft denken und dem Beruf die entsprechende Priorität einräumen."

Und der flinke Angreifer gibt auch zu: "Lions-Coach Seth Womack hat viele Dinge anders gesehen als ich. Bei uns beiden stimmte von Anfang an die Chemie nicht richtig. Ich spiele Football als Hobby und habe keine Lust, meine Freizeit auch zu Lasten meiner beruflichen Zukunft mit Sachen zu verbringen, die mir keinen Spaß machen."

Völkel bedauert, dass Heidary die Lions verlassen hat: "Das ist ein tierischer Verlust für uns. Er war ein Führungsspieler. Aber wenn einer unzufrieden ist, ist es völlig okay, wenn er geht." Damit sei aber die Tür für ihn nicht für alle Zeiten bei den Lions zugeschlagen, meinte der Co-Trainer.

Festzuhalten ist: Offenbar gibt es weder für das Laufspiel, noch für das Passspiel den zumindest teilweise fest versprochenen Ersatz für die hochkarätigen Abgänge. Und so geht die Spielpause noch einige Wochen weiter. Doch die Verantwortlichen werden weiter nahezu rund um die Uhr arbeiten müssen, um irgendwie das Team zu verbessern.

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