"Wenn es schlecht läuft, dann läuft halt alles schlecht"

Die Adler benutzten die Lions als Sündenböcke für ihre Niederlage in Kiel

Tobias Goebel übte in der Pause allein und erfolgreich auf dem Platz Fieldgoal-Versuche. Danach wurde diese Fertigkeit aber nicht mehr gebraucht. 

Tobias Goebel übte in der Pause allein und erfolgreich auf dem Platz Fieldgoal-Versuche. Danach wurde diese Fertigkeit aber nicht mehr gebraucht. 

BRAUNSCHWEIG. Vor vier Wochen in Berlin zeigten die Braunschweig Lions ihre mit Abstand beste Saisonleistung. Hoch konzentriert, raffiniert und risikofreudig führten sie die Adler, die deutschen Meister, in deren Stadion drei Viertel lang regelrecht vor, verloren allerdings trotzdem knapp.

"Wir haben uns auf das Rückspiel sehr gut vorbereitet. Wir wussten, dass wir uns sehr gut vorbereiten müssen. Denn die Lions sind in der Lage, uns die Hölle heiß zu machen, wenn sie gut drauf sind", sagte Berlins Cheftrainer Shuan Fatah. Wer das Hinspiel nicht gesehen hatte, empfand diese Aussage als Hohn angesichts der 7:38-Schlappe der Lions gegen in allen Belangen übermächtige Adler.

Pech für die Braunschweiger war die relativ schwache Leistung des Meisters in der Vorwoche in Kiel. "Wir wollten auf gar keinen Fall in so einen Negativ-Strudel gezogen werden nach unserer Niederlage in Kiel", meinte Fatah. Das Gegenteil ist passiert. Der glorreiche Sieg in Braunschweig hat sie wie ein Geysir raketenhaft wieder nach oben katapultiert. "Wir wollten heute unbedingt den Sieg und der ganzen Liga zeigen, wer der Meister ist", erklärte Berlins Verteidiger Sebastian Karl.

Zeigen, dass er es besser kann, wollte auch unbedingt Tobias Goebel nach zwei vergebenen Fieldgoals in der ersten Halbzeit. Beide Schüsse aus jeweils 36 Metern gingen an den Torstangen vorbei, einmal rechts, einmal links.

Während sich seine Kollegen in der Kabine wegen des 0:21-Rückstandes von den Coaches einiges anhören mussten, blieb Goebel draußen und übte Fieldgoals.

Erster Versuch aus 40 Metern: Treffer. Zweiter Versuch aus 45 Metern: Treffer. Dritter Versuch aus 50 Metern: Treffer.

Er übte noch weiter, traf nicht immer aus 50 Metern, aber oft. Und durfte in der zweiten Halbzeit dieses neu erworbene Sicherheitsgefühl nicht mehr in die Waagschale werfen. Die Lions kamen nur noch einmal dicht an die Endzone der Berliner. Und da war ein Fieldgoal-Versuch nicht gefragt.

"Die Berliner haben heute jeden Fehler von uns bestraft. Wenn es schlecht läuft, dann läuft halt alles schlecht", urteilte Lions-Cheftrainer Matthias Engisch. Drastischere Worte fand Ludger Uckermann: "Wir haben uns selbst in den Arsch getreten."

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