Gut wäre ein Torwarttrainer für den Spielmacher

Trainerteam bei Football-Lions ist größer als beim Fußball, aber zu klein – Zimmermann wünscht Spezialcoach

Der Spielzug startet: Patrick Neff übergibt den Football durch seine Beine an Spielmacher Dennis Zimmermann.   

Foto: Frank Rieseberg

Der Spielzug startet: Patrick Neff übergibt den Football durch seine Beine an Spielmacher Dennis Zimmermann.    Foto: Frank Rieseberg

BRAUNSCHWEIG. Jürgen Klinsmann, der Fußball-Trainer, der alles anders macht als andere, hatte bis zu seiner Entlassung bei Bayern München sieben Assistenten. Das ließ viele Anhänger verwundert die Köpfe schütteln. Football-Fans dagegen wundern sich, wenn nicht einmal sieben Coaches ihr Lieblingsteam fit machen.

Diese Flut an Übungsleitern liegt daran, dass eine Football-Mannschaft aus vielen Spezialisten besteht. Sie heißen Wide Receiver, Offenseliner, Defenseliner, Linebacker, Runningback, Defenseback und natürlich Quarterback. Das ist der Spielmacher.

Die einen müssen dünn, schnell und groß sein, andere brauchen unter 120 Kilo Körpergewicht gar nicht erst anzutreten. Jeder Mannschaftsteil hat andere Aufgaben, dementsprechend auch andere Trainigsformen – und deshalb am Besten einen eigenen Trainer. So versteht das auch der Fußball-Fan, der sich über Torwarttrainer niemals wundert.

Dennis Zimmermann muss beim deutschen Football-Rekordmeister Braunschweig Lions ohne Spezialtrainer auskommen. Der nur vierköpfige Trainerstab muss für alle da sein. "Seit eineinhalb Jahren haben wir keinen Quarterback-Coach mehr. Und irgendwie merke ich das. Ich bin leistungsmäßig stehen geblieben. Das ist nicht gut", sagt Zimmermann, der einerseits als bester deutscher Quarterback gehandelt wird, andererseits aber auch der einzige deutsche Spielmacher in der Bundesliga ist, der keinen Importspieler aus Amerika vor der Nase hat.

Da hat dem 28-Jährigen der mehrtägige Ausflug zur Nationalmannschaft vergangene Woche richtig gut getan. "Das war klasse, mal wieder einen eigenen Trainer zu haben. Und ich glaube, ich habe einiges mitnehmen können."

Genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn die Lions stehen im Kampf um einen Play-off-Platz mit dem Rücken zur Wand, müssen gegenüber der Konkurrenz Punkte gut machen, spielen aber nur noch gegen Spitzenteams: am Samstag in Kiel, nächsten Samstag gegen Kiel und dann noch bei der vermeintlichen Übermannschaft Berlin.

Sechs Trainingseinheiten absolvierte Zimmermann und seine Kollegen mit dem Nationalteam. Und für vier Braunschweiger Angriffsspieler war das wie ein extra Lions-Training. Center Patrick Neff musste den Ball bei jedem Spielzug blitzschnell und reibungslos an Zimmermann übergeben. Und die beiden Ballfänger Dominic Hanselmann und Christian Bollmann erhielten Zimmermanns Pässe.

"Das war perfekt. Da habe ich viel Selbstvertrauen getankt", meint Zimmermann. Und kämpferisch betont er mit neuem Mut: "Ich fahre nicht nach Kiel, um denen bei der Party zuzuschauen. Ich will den Kielern die Party richtig versauen."

Was so ein Spezialtrainer alles bewirken kann. Klinsmann hätte seine wahre Freude daran.

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