Lions geben alles und gewinnen nichts

Braunschweiger Footballer verlieren spektakuläres Viertelfinale in Marburg mit 21:31

lAnton Bowen (Nummer 28) fängt einen Marburger Pass ab und trägt den Ball bis in die Endzone. Das brachte den Lions sechs Punkte, die letzten in diesem Spiel.   

Foto: s (2): Reißner

lAnton Bowen (Nummer 28) fängt einen Marburger Pass ab und trägt den Ball bis in die Endzone. Das brachte den Lions sechs Punkte, die letzten in diesem Spiel.    Foto: s (2): Reißner

MARBURG. Zwar traurig, aber hoch erhobenen Hauptes gingen die pieler der Braunschweig Lions gestern Nachmittag im Marburger Georg-Gaßmann-Stadion vom Platz. Der deutsche Rekordmeister hatte in einem kuriosen und höchst sehenswerten Spiel alles gegeben, letztlich aber verdient mit 21:31 verloren. Wegen unklarer Rechteverhältnisse war dies nach 23 Jahren wahrscheinlich sogar der letzte Auftritt der hiesigen Footballer unter dem Namen Braunschweig Lions.

Für die Marburger, die als Südmeister in die Partie gegen den Nord-Vierten gegangen waren, ist es erst der dritte Sieg im zehnten Duell mit den Lions. Allerdings hatten sie noch nie zuvor die Braunschweiger in einem Play-off-Spiel geschlagen. Wann immer diese beiden Teams jedoch aufeinandertrafen, war klar, dass es viele Punkte geben würde.

Und auch diesmal sorgten die Kontrahenten vor offiziell 1450 Zuschauern, davon rund einem Drittel Braunschweiger Anhänger, für einen Auftakt, der in die Geschichte des deutschen Footballs eingehen wird. Nach nur 21 (!) effektiven pielsekunden stand es bereits 7:7.

Und das kam so: Die Lions hatten Anstoß, was normalerweise dazu führt, dass der Gegner den Ball bekommt. Per Trickspielzug behielten sie aber das Angriffsrecht. Und gleich im ersten Versuch spielte Quarterback Dennis Zimmermann einen Traumpass auf Philipp Dohrendorf, der bis in die Marburger Endzone lief. Der Erhöhungskick war für Tobias Goebel Formsache. Die Lions führten nach neun Sekunden mit 7:0.

Doch dann der Schock: Wieder mussten die Braunschweiger den Ball wegkicken, taten das diesmal auch. Und zwar in die Arme von Marburgs Star Brandon Langston, der den Ball über 70 Meter nahezu unbehelligt bis in die Lions-Endzone zurücktrug. Erhöhungskick – 7:7.

Beide Angriffsreihen riskierten in der Folge viel. Aber die zwischenzeitlichen personellen Verluste der Lions wogen zu schwer. Austin Scott, der beste Ballträger der Liga, verdrehte sich früh das Knie und fiel fast eine Halbzeit lang aus. Und Braunschweigs zweitbester Ballfänger der Saison, Christian Bollmann, verletzte sich bei einem spektakulären Sprung in die Marburger Endzone. Er prallte mit dem Knöchel an ein Metallrohr an einer Hochsprunganlage, musste lange behandelt werden und kam erst spät im Spiel wieder zum Einsatz, wirkte dann allerdings gehandicapt.

Wie schon in einigen vorherigen Partien war den Lions das Glück nicht hold. Fünfmal verloren sie im Angriff per Interception oder Fumble den Ball. Zu oft, um für den Sieg ernsthaft in Frage zu kommen.

Begeisternd allerdings die Art und Weise, wie sie sich gegen das immer wahrscheinlicher werdende Ausscheiden wehrten. Sie bemühten alle Tricks, spannten in der Schlussphase sogar Scott als Spielmacher ein. Doch es half nichts. Wenn die Marburger einmal keine spielerische Möglichkeit mehr hatten, einen Lions-Vorstoß abzuwenden, stand ihnen auch noch das Glück zur Seite. Die Lions haben ein wichtiges Spiel verloren, aber sich an diesem Tag neue Freunde gemacht.

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