Der Jüngste darf die Löwen führen

19 Jahre alter Spielmacher Bollmann legt Sonderschichten vor dem Football-Nordderby gegen Hamburg ein

Auf ihren Schultern ruhen am Samstag die Hoffnungen der Lions-Fans: Der junge Spielmacher Christian Bollmann (rechts) und Ballträger Michael Andrew.   

Foto: Karsten Reißner

Auf ihren Schultern ruhen am Samstag die Hoffnungen der Lions-Fans: Der junge Spielmacher Christian Bollmann (rechts) und Ballträger Michael Andrew.    Foto: Karsten Reißner

BRAUNSCHWEIG. Beim Nordderby der Football-Bundesliga steht am Samstag wieder viel auf dem Spiel. Die Lions können sich einem Heimsieg ab 19 Uhr über die Hamburg Blue Devils bereits das Heimrecht im Play-off-Viertel- sowie Halbfinale sichern.

Selbst im Falle einer folgenden Niederlage in Kiel wäre den Braunschweigern zumindest Rang zwei in der Niordgruppe nicht mehr zu nehmen.

Aufgrund einer starken Schwellung des Knies voraussichtlich erst heute operiert wird Abwehrspieler Ryan Davis am verletzten Meniskus von Professor Dr. Heinrich Reilmann. Der Chefarzt der Chirurgie des Klinikums an der Holwedestraße und Vater des Lions-Linebackers Sebastian Reilmann hatte bereits sechs Footballer auf dem OP-Tisch.

"Uns erwischt das Verletzungspech erst recht spät in der Saison, aber leider in der entscheidenden Phase", klagt Lions-Chefcoach Javier Cook. Dennis Engelbrecht ist angeschlagen, sein Abwehrkollege Andre Krüger aufgrund seines Feldverweises aus der Berlin-Partie gesperrt. Als einziger seiner angeschlagenen Akteure meldete sich Passempfänger Oliver Krahn von einer Knöchelbänderdehnung und Hüftprellung per Mail beim Trainer wieder genesen.

Das ist umso wichtiger, weil Cook die Anspielstationen ausgehen. Denn Quarterback Dennis Zimmermann wird wohl frühestens wieder in einer Woche gegen Kiel wieder ins Team zurückkehren und somit der Spielaufbau in den Händen der sonstigen Passempfänger Kelvin Love und Christian Bollmann liegen.

"Ich setzte auf eine Rotation. Kelvin ist der erfahrenere Spieler, aber Christian hat vor allem gegen Köln eine starke Partie als Spielmacher gezeigt", verteilt der Trainer die Last auf mehrere Schultern. Dies sorgt dafür, dass der mit 19 Jahre jüngste im Kader, derzeit täglich trainiert. Bollmann hatte gerade seine Tasche für das Krafttraining gepackt, als ihn unsere Redaktion am Telefon erwischte.

"Wenn ich der Mannschaft als Quarterback helfen kann, mache ich das gerne", antwortet der junge Forstwirt, der ab nächster Woche wieder die Schulbank drückt und das Fachabitur erwerben will. "Für mich ist diese Saison sehr gut gelaufen. Dass ich mir als Receiver einen Stammplatz erkämpfe, hatte ich so schnell nicht erwartet", sagt Bollmann und fügt bescheiden hinzu, Olaf Fischers Fehlen zum Saisonauftakt habe dies erleichtert.

Bei seiner Prognose für das Hamburg-Spiel wirkt der 19-Jährige deutlich selbstbewusster: "Wir dürfen uns nicht wieder so viele Fouls wie im Berlin-Spiel leisten und müssen sehr konzentriert spielen." Andernfalls könnten Blue-Devils-Receiver Max von Garnier und sein Team ihren ersten Erfolg über die Lions seit dem 7:3-Sieg vom 11. Juni 2005 feiern.

Damit dies nicht passiert, schließt sich derzeit seinem 90-minütigen Krafttraining gleich eine ebenso lange Übungseinheit mit Runningbacks und Wide Receivern an, damit Love und Bollmann ihren Spielzügen die nötige Sicherheit verleihen können. Anschließend bleibt Bollmann zwei Mal in der Woche auf dem Sportplatz Rote Wiese und gibt sein Wissen an die Junior Lions weiter, so dass erst gegen 21 Uhr für den jungen Spielmacher Feierabend ist.

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