Taktische Blitze zerstören die Lions-Ordnung

Braunschweiger Footballer verlieren verdient mit 12:22 in Mönchengladbach – Sonntag kommt Essen

Die Lions-Abwehr mit Jeremy Henderson (Zweiter von links) und Kerim Homri stoppt Ex-Lions-Spielmacher Fabian Schorn. Im Hintergrund kommt Patrick Finke zur Unterstützung angesegelt.   

Foto: Karsten Reißner

Die Lions-Abwehr mit Jeremy Henderson (Zweiter von links) und Kerim Homri stoppt Ex-Lions-Spielmacher Fabian Schorn. Im Hintergrund kommt Patrick Finke zur Unterstützung angesegelt.    Foto: Karsten Reißner

MÖNCHENGLADBACH. Wie in jedem Sport gibt es auch im American Football gute Tage und schlechte Tage. Die deutschen Rekordmeister aus Braunschweig erwischten beim Gastspiel in Mönchengladbach gegen die Mavericks am Samstag einen solchen der denkbar schlechtesten Sorte. Fast nichts lief wie einstudiert zusammen, und am Ende stand völlig verdient eine 12:22 (6:0, 6:15, 0:7, 0:0)-Niederlage zu Buche.

"Das war ein echter Weckruf. Jeder Spieler hat gesehen, worum es geht. Ich gehe davon aus, dass nun jeder gewillt ist, im Training noch härter zu arbeiten, um die Defizite abzustellen", sagte Lions-Cheftrainer Seth Womack.

Vor allem der Lions-Angriff kam überhaupt nicht zur Entfaltung. Was sich bereits beim knappen Heimspielsieg gegen Dresden zum Saisonauftakt in mancher Situation offenbarte, wurde im Duell mit dem wohl stärksten Aufsteiger seit Jahren zu einem spielentscheidenden, eklatanten Schwachpunkt: die Offenseline, die Schutztruppe des Spielmachers.

So bekam Lions-Quarterback Dennis Zimmermann fast nie genug Zeit, um vernünftige Pässe zu inszenieren, die möglichen Pass-Adressanten nicht genügend Sekunden, um ihre geplante Route zu laufen, und die Ballträger keine freigeblockte Lücke, um alternativ mit dem Ball durch die Mitte zu marschieren.

"Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Mavericks so oft blitzen würden, darauf waren wir einfach nicht gut genug vorbereitet", gab Womack zu. Beim Blitzen greift die Abwehr mit bis zu acht Mann den Angriff überfallartig an. Die sich daraus ergebenden großen Lücken in der ersten und zweiten Abwehrreihe kann wiederum der Angriff nutzen – aber nur wenn die Blitze ins Leere laufen.

Die ungleichen Kräfteverhältnisse des Braunschweiger Angriffs im Vergleich zur Mavericks-Abwehr schlugen sich auch in Standard-Situationen nieder. Ursächlich aufgrund des großen Gegendrucks versiebte Kicker Tobias Göbel zwei durchaus machbare Fieldgoals, zudem die Ein-Punkt-Erhöhung nach dem Führungs-Touchdown, und auch der Versuch einer 2-Punkte-Erhöhung nach dem zweiten Lions-Touchdown missriet.

Doch trotz dieser klaren Unterlegenheit war ein Braunschweiger Sieg möglich. Denn die Abwehr der Lions bot wie gegen Dresden eine starke Vorstellung. Die Defense versteht es ausgezeichnet, Fehler der Gegner zu bestrafen und ihre Offense in äußerst komfortable Angriffspositionen zu bringen. Einzig – und da schließt sich der Kreis – konnten die Männer um Zimmermann damit zu selten etwas anfangen.

Bereits am Sonntag haben die Lions die Chance zur Wiedergutmachung. Um 15 Uhr stellt sich mit den Assindia Cardinals aus Essen eines der weniger hoch gehandelten Teams vor. Da wäre es an der Zeit, mal einen dieser guten Tage zu erwischen, die es überall im Sport gibt.

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