"Im Angriff wird alles neu"

Neuer Braunschweiger Football-Trainer Kirk Heidelberg im Interview – So will er die Lions zu alter Stärke führen

Der neue Lions-Trainer Kirk Heidelberg gilt als betonhart, aber auch als warmherzig.    

Foto: Rudolf Flentje

Der neue Lions-Trainer Kirk Heidelberg gilt als betonhart, aber auch als warmherzig.     Foto: Rudolf Flentje

Mit dem US-Amerikaner Kirk Heidelberg (52) haben die Braunschweiger Lions-Footballer einen namhaften Cheftrainer für nächste Saison verpflichtet, der bereits zehn Jahre in der Bundesliga gearbeitet hat. Er gewann zweimal den German Bowl, die deutsche Meisterschaft, übrigens beide Male im Finale gegen Braunschweig. Für eine Woche reiste er in die Löwenstadt, um seine Arbeit vorzubereiten. Mit Heidelberg sprach Sportredakteur Frank Rieseberg.

Bleiben Sie jetzt durchgehend in Braunschweig?

Nein, ich fliege über Weihnachten wieder zurück nach Chicago, komme aber Anfang Januar wieder und bleibe dann hier. Später werden auch meine Frau und unser Sohn übersiedeln.

Sie richten sich also auf eine längere Zeit in Braunschweig ein?

Um etwas Großes zu schaffen, um etwas zu bewegen, braucht man mindestens drei Jahre. Ich hätte gern einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben, bin aber erst einmal nur für zwei Jahre verpflichtet worden. Ich habe allerdings keine Lust, so schnell wieder zu gehen. Für meine Familie ist das ein Riesenschritt.

Warum haben Sie gerade Braunschweig als eine vom Plan her langjährige Station gewählt?

Braunschweig ist eine schöne Stadt mit einer vernünftigen Größe. Ich habe lange in Köln und später in Hamburg gearbeitet. Das war mir als Stadt fast zu groß. Als Trainer der Gegner habe ich die Lions im Spaß immer gehasst; weil sie die besten deutschen Spieler hatten; weil sie immer so viele Zuschauer und so treue Fans wie kein anderen Klub hatten. In Braunschweig waren immer mehrere, manchmal auch viele Tausend Zuschauer, während woanders 400 schon als viel galten.

Sie erwähnen die deutschen Spieler. Wie wichtig sind diese in einem Team von Kirk Heidelberg?

Sehr wichtig! In der Vergangenheit waren sie die Garanten dafür, dass die Lions deutsche Rekordmeister geworden sind.

Erwarten Sie eine Welle von Anfragen bekannter deutscher Spieler aus dem ganzen Land, die bei Kirk Heidelberg spielen wollen?

Mal sehen, was passiert. Fest steht: Es gibt eine ganze Reihe hervorragender Trainer in der Bundesliga. Das war früher nicht immer so. Gute Trainer bringen den Sport voran, weil in Deutschland die meisten Spieler eben pure Amateure sind, während die Cheftrainer den ganzen Tag Zeit haben, sich mit dem Sport zu beschäftigen. Ich will auf keinem Fall den schnellen Erfolg erzwingen, der dann genauso schnell wieder aufhört. Ich will helfen, eine neue solide Basis zu gründen, das betrifft den Nachwuchs, den wir stärken müssen. Wenn der Unterbau stimmt, ist Erfolg keine Eintagsfliege. Doch das braucht Zeit.

Was würde denn dann im nächsten Jahr für Sie ein Erfolg sein?

Erfolgreich ist man immer dann, wenn man besser ist als im Jahr zuvor. Man kann nicht planen, Meister zu werden. Aber man kann sich zum Beispiel zum Ziel setzen, ins Halbfinale zu kommen. In jedem Fall müssen die Play-offs drin sein. Alles andere ist für einen Verein mit einer Vergangenheit, wie sie die Lions haben, auch nicht erstrebenswert.

Gute deutsche Spieler sind die eine Sache. Aber für den Erfolg braucht man auch Import-Spieler. Wieviele Amerikaner wollen Sie holen?

Vier sind das Minimum, zwei im Angriff, zwei für die Abwehr. Optimal wären fünf Amerikaner und zwei europäische Ausländer. Aber darüber, was geht und was nicht geht, entscheiden natürlich die finanziellen Möglichkeiten, die man hat oder nicht hat. Da muss man sehen, was geht.

Was wollen Sie als erstes ändern?

Unser Offensivspiel wird komplett umgekrempelt. Die Spieler sollen mehr Spaß haben. Und den werde ich ihnen geben.

Bevorzugen Sie das Pass- oder das Laufspiel?

Ich bin immer der Meinung gewesen, dass Football viel mit Bewegung zu tun hat. Deshalb bevorzuge ich das Laufspiel. Ich schätze so bei 60:40 Prozent wird das liegen. Denkbar ist aber auch Hälfte-Hälfte. Manchmal läuft man Meter um Meter über den Platz, aber den Touchdown erzielt man mit einem überraschenden Pass. So ist Football.

Wieviele Co-Trainer benötigen Sie?

Ich will versuchen alle, die letztes Jahr die Saison mit den Lions angefangen haben, vom Weitermachen zu überzeugen.

Wann beginnt das Training?

Anfang Januar beginnen wir in der Halle. Dann wird nicht rumgedaddelt, sondern hart trainiert. Ich hoffe, dass wir Ende Februar auf den Platz können. Und dann habe ich vor, noch ein Trainingslager in Deutschland mit den Jungs zu beziehen.

Sie sind immer noch nebenbei Trainer des Teams USA, quasi der Junioren-Nationalmannschaft aus dem Mutterland des Footballs. Gäbe es da irgendwann einmal eine Chance für ein Testspiel gegen die Lions?

(lacht) Ich arbeite daran.

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