Den Frust von der Seele gespielt

Lions-Footballer kämpfen gut vorbereitete Essener nieder – Scott überragender Mann auf dem Platz

Austin Scott tanzte die Essener Abwehr aus, wie er wollte.    

Foto: Karsten Reißner

Austin Scott tanzte die Essener Abwehr aus, wie er wollte.     Foto: Karsten Reißner

BRAUNSCHWEIG. "Na dann feiert noch schön", sagte der Reporter nach dem Kurz-Interview zu Patrick Finke. "Das kannste wohl annehmen. Und wie", antwortete das Abwehr-Ass der Braunschweig Lions mit drei Ausrufezeichen, drehte sich um, sprintete zu seinen Kumpels und nahm ein ausgiebiges Jubel-Bad in der Menge.

Die Football-Spieler vor und hinter ihm grinsten um die Wette. 20 Meter daneben versuchten Mitspieler, den größten Helden des Abends, nämlich Ballträger Austin Scott, für ein Erinnerungsfoto zweier junger Fans in die Höhe zu heben. Doch sie scheiterten, konnten ihr Ziel nicht umsetzen. Zum ersten Mal an diesem Abend.

Das 35:7 gegen die Assindia Cardinals aus Essen war der Befreiungsschlag. Wie es sich anfühlt, gut zu spielen, haben die Lions eine Woche vorher beim Meister in Berlin erfahren. Nun wissen sie auch, wie es sich anfühlt, wenn man daraus auch noch zwei Punkte macht.

"Es ist unheimlich wichtig, dass wir dieses Spiel gewonnen haben", betonte Center Ludger Uckermann und lobte die Gegner: "Die Essener haben sich sehr gut auf uns vorbereitet. Wir mussten erst einen Weg finden, uns durchzusetzen. Wir wissen, dass diese Findung für die Zuschauer nicht immer attraktiv ist. Aber wenn es denn hilft...?"

Das Beste, was die Essener Abwehr zu bieten hatte, konzentrierte sich von Beginn an darauf, den Braunschweiger Quarterback Dennis Zimmermann daran zu hindern, so gut und souverän wie in Berlin mit kurzen und weiten Pässen zum Erfolg zu kommen.

"Wir hatten in der Mitte alle Hände voll zu tun. Da kam enormer Druck auf uns zu", gestand Uckermann, der im Zentrum der Offenseline spielt, der Schutztruppe des Quarterbacks. "Es ist egal, wie oft du gestoppt wirst. Du musst es immer und immer wieder versuchen. Ein bisschen variabel agieren, ein bisschen täuschen. Und dann klappt das auch", fasste Scott zusammen, was den Lions schließlich den Erfolg brachte.

Der Runningback nahm immer wieder weite Umwege in Kauf, um seine Mannschaft Meter um Meter nach vorn zu bringen. Und dann plötzlich versuchte er wieder die kürzeste aller Varianten, mit voller Wucht durch die Mitte nach vorn. Durch die vorangegangenen Varianten irritiert, mussten die Cardinals das dann immer wieder geschehen lassen. Die individuelle Klasse von Scott tat ihr Übriges.

Wann immer die Essener glaubten, ein Mittel gegen den Lions-Angriff gefunden zu haben, wurden sie eines Besseren belehrt. Solche Flexibilität war den Angriffen der Cardinals völlig fremd. Der gewiss nicht schlechte Spielmacher Ben Widmyer wurde mehrfach regelrecht in den Boden gestampft. "Natürlich empfindet man nach gewisser Zeit da fast schon Mitleid. Aber Essen hatte das Pech, dass wir sie heute unseren gesamten angestaunten Frust haben spüren lassen", erklärte Finke. Und wie!!!

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