Die Leistung steigt, der Anspruch auch

In der Football-Bundesliga hat Braunschweig am Sonntag nach der 21:34-Niederlage gegen die Berlin Adler die Chance auf die Play-off-Plätze und die Duelle um die Meisterschaft verspielt. Absteigen kann das Team allerdings auch nicht mehr.

Seit der neue Coach und Geschäftsführer Phil Hickey die Geschicke bei den Lions-Footballern fest in den Händen hält, also seit zwei Wochen, lautet die Parole beim deutschen Rekordmeister: Nächstes Jahr wird alles besser.

Und in offenbar einer Mischung aus vorauseilendem Gehorsam und der jährlich sich ändernden Ligaregeln in der deutschen Eliteklasse hatte vor ein paar Tagen ein Vereinsvertreter glaubhaft vermittelt, der Tabellenvorletzte, also zurzeit die Lions, müsste gegen den Zweitliga-Zweiten Relegationsspiele um den Klassenerhalt bestreiten. So stand es auch bei uns in der Zeitung. Aber:

Das stimmt gar nicht!

Erst nächstes Jahr. Und da wollen die Braunschweiger ja ohnehin, so ihr vom Hauptsponsor dringend empfohlenes Ziel, um die Meisterschaft mitspielen und nicht um den Klassenerhalt.

Also dieses Jahr lautet die Abstiegsregel noch so: Der Bundesligaletzte – unvermeidlich bis Saisonschluss die Assindia Cardinals aus Essen – spielt mit dem Zweitliga-Zweiten einen Platz im Oberhaus aus. Der Zweitligameister steigt sowieso auf, da die Bundesliga Nord von sieben auf acht Teams aufgestockt wird. Schon in der vergangenen Spielzeit gab es keinen direkten Absteiger, weil auf sieben Teams aufgestockt worden war.

Aufgestockt haben die Lions schon gestern, nämlich an Klasse. Die 21:34-Niederlage gegen Berlin, die den Braunschweigern die letzte Chance auf einen Play-off-Platz raubte, war zwar nicht unverdient. Aber mit solcher zuletzt völlig ungewohnten Präsenz im Angriff hätten die Braunschweiger nicht viele Spiele in diesem Jahr verloren. Mehr als 20 Punkte in einem Spiel, das gelang bisher erst zweimal 2011 – beide Male gegen Essen.

Dass dieses Mal nicht soviel Spielfreude zu sehen war, wie sich das Hickey von seiner Mannschaft gewünscht hatte, lag hauptsächlich an den Berlinern, die eine europäische Spitzenmannschaft sind, nur sehr wenige Gastgeschenke mitbrachten und so rundum als knallharte Spaßbremse agierten. Trotzdem hat das Zuschauen bei Heimspielen seit langer Zeit mal wieder Freude bereitet. Beim Pausenpfiff gab es sogar richtig starken Applaus von den Rängen. Da haben wir dieses Jahr auch schon Pfiffe wahrgenommen. Und die Lions hätten mit ihrem couragierten Auftritt mehr als gut 3000 Zuschauer verdient gehabt.

Umso mehr verwunderte, wie Hickey die Partie analysierte: "Man hat deutlich gesehen, dass meiner Mannschaft das Selbstbewusstsein fehlt. Da sind dicke Fehler passiert bei Sachen, die im Training geklappt haben. Und von diesen Fehlern ließ sich das Team völlig aus der Bahn werfen."

Offenbar eine Frage des Anspruchs. Lions-Anhänger sind inzwischen mit relativ wenig schon sehr zufrieden. Nächstes Jahr soll alles besser werden. Und die Braunschweiger fangen schon damit an, diese Philosophie umzusetzen. Da kann man bei den restlichen beiden Heimspielen der Saison nur eine klare Empfehlung aussprechen: unbedingt anschauen.

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