Die Geschichte vom verschenkten Sieg

Braunschweiger Footballer trennen sich von Plattling 21:21 nach scheinbar sicherer 21:7-Führung

BRAUNSCHWEIG. "Als wir zum Warmlaufen in das große Stadion gekommen sind, haben wir ganz schön gestaunt. Da sind die meisten von uns zurück in die Kabine gelaufen, haben ihre Kameras geholt und erst einmal ein Bild gemacht", erzählt mit leuchtenden Augen Dominikus Hägel, ein Ballfänger der Plattling Black Hawks.

"Als wir zum Spiel in die Arena eingelaufen sind," fährt er fort, "haben die Beine richtig geschlottert. Doch als das Spiel erst einmal begonnen hatte, war alles wie immer und jegliche Nervosität verflogen."

Auf der anderen Seite war alles genau andersherum. Als die Braunschweig Lions auf den Platz kamen, strotzten sie vor Selbstbewusstsein. Doch je länger das Spiel dauerte, desto weniger war alles wie immer. Als sie im letzten Viertel binnen Sekunden die scheinbar sichere 21:7-Führung regelrecht verschenkten und die Hawks ausglichen, wirkten die Gastgeber derart verunsichert, dass der Schlusspfiff wie eine Erlösung wirkte.

Nichts lief mehr zusammen, selbst einfachste Dinge gingen schief. Und als sie es dann zur Krönung noch verzweifelt mit einem komplizierten Trickspielzug versuchten, schienen die Mitspieler irritiert, nur die Gegner wussten offenbar ganz genau, wie sie den Angriffsversuch im Keim ersticken sollten. Vereinzelte Pfiffe der Fans. Sowas kennt man von den Anhängern nicht. Aber derart desolate letzte Minuten von ihren Lieblingen auch nicht.

Dabei hatten beide Mannschaften zuvor ein gutklassiges, mitunter sogar hochklassiges Spiel geboten, in dem die Abwehrreihen oft dominierten und bei den Angreifern Fehler provozierten, die dann zumeist gnadenlos ausgenutzt wurden. Auf beiden Seiten. Die Stärke der Abwehrreihen zwang beide Angriffslinien zu risikoreichem Spiel. Für neutrale Beobachter eine sehenswerte Partie. Doch wie meinte einer der 4500 Zuschauer: "Wer ist hier denn neutral?"

So waren letztlich drei Interceptions, Würfe in die Arme des Gegners, von Lions-Spielmacher Dennis Zimmermann einfach zu viele unbeabsichtigte Ballbesitzwechsel.

Trotzdem stand es knapp sieben Minuten vor Schluss 21:7 für die Lions. Doch zwei, drei geniale Aktionen des überragenden Plattlinger Spielmachers Jimmy Robertson sorgten für den Anschluss zum 14:21 aus Gäste-Sicht. Und gleich im ersten darauffolgenden Spielzug ließ sich Braunschweigs amerikanischer Ballfänger Tyrre Burks den Ball klauen – zum Touchdown. "Wenn man bei den großen Lions in Braunschweig spielt und sicher zu verlieren scheint, dann aber noch den Ausgleich schafft, dann ist das vom Gefühl her wie ein großer Sieg", meinte Plattlings Coach John Rosenberg, ein ehemaliger Lions-Trainer.

Und von so einem Erlebnis nimmt man doch gerne Fotos mit.

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