Europameister – das wäre was

Sechs Spieler der Braunschweig Lions stehen im 75-Mann-Kader für die morgen beginnende Heim-EM

BRAUNSCHWEIG. Für die meisten Lions heißt es erstmal: Urlaub! Erst am 14. August wird die Saison in der German Football League fortgesetzt. Doch die Nationalspieler ackern weiter. Vom 24. bis 31. Juli findet in Deutschland die Football-Europameisterschaft statt.

Seit Montag schwitzt der 75-Mann-Kader in der Sportschule Hennef. "Das wird eine anstrengende Vorbereitungswoche", blickt Lions-Quarterback Dennis Zimmermann voraus. "10 bis 12 Trainingseinheiten wird es bestimmt geben. Und abends noch Treffen und Gespräche."

Seit 2004 gehört Zimmermann zum Kader der Nationalmannschaft, aus dem ihn eine Verletzung katapultierte – aber nur auf Zeit. Seit fast zwei Jahren ist der Braunschweiger Spielmacher wieder an Bord.

Seitdem schwelt der Kampf um den Stammplatz auf dieser Position mit Joachim Ullrich aus Marburg. Dem Offensive Coordinator des Nationalteams, Brad Arbon, kommt das gerade recht. Konkurrenz belebt das Geschäft.

"Beide Spieler liegen von ihrer Leistung her gleichauf und liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen", urteilt Arbon. Und mit dem Düsseldorfer Robert Demers steht ein vielversprechender Nachwuchsmann schon jetzt bereit und könnte im Notfall sofort einspringen.

"Ich habe ein gutes Verhältnis zu Joachim, es ist seine Mannschaft", sagt Zimmermann artig. Aber eins ist klar: Erhält er das Vertrauen anzufangen, wird er nicht freiwillig ins zweite Glied zurücktreten.

Große Probleme, sich auf das neue Spielsystem umzustellen, hat Zimmermann nicht – obwohl das Playbook, das alle Spielzüge auflistet, bei Lions und dem Nationalteam weit auseinander liegt. "Das ist um 180 Grad anders", sagt Zimmermann und lacht. "Nach der Vorbereitungswoche ist das alles wieder drin, kein Problem."

Im Nationaltrikot aufzulaufen ist nicht nur für Zimmermann noch immer etwas ganz Besonderes, für das es sich lohnt, all die zusätzlichen Strapazen zu ertragen. "Ich bin stolz, das Trikot tragen zu dürfen. Dieses Gänsehaut-Gefühl bei der Nationalhymne vergisst niemand."

Aus der Sicht von Matthias Engisch hätte es mitten in der Saison keine EM geben müssen. "Das hat schon Einflüsse auf den Übungsbetrieb, wenn Leistungsträger fehlen", sagt der Cheftrainer der Braunschweig Lions.

Ein Glück, dass nur sechs Braunschweiger im 75er-Kader auftauchen. Es gab schon Zeiten, da waren es doppelt so viele. Ein Zeichen für ein schwächer gewordenes Löwen-Rudel, eine Folge der in der vorigen Saison enttäuschenden Leistung?

"Ach wo", sagt Engisch, "aus meiner Sicht haben mehr meiner Spieler die Nominierung verdient. Aber ich möchte mich da nicht einmischen. Das muss und kann das Trainerteam für die Nationalmannschaft ganz allein entscheiden. Die jeweiligen Spieler müssen ja auch in deren Spielsystem passen."

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