Andrew tanzt durch Marburgs Abwehr
Ballträger hat mit vier Touchdowns großen Anteil am Einzug ins Finale um die deutsche Football-Meisterschaft
MARBURG. "Wir fahren nach Frankfurt", skandierten lautstark etliche der rund 700 mitgereisten Lions-Fans unter den 1454 Zuschauern gestern im Marburger Ausweichstadion Am Köppel. Die holperige Wiese, barg große Gefahren für Knöchelbänderverletzungen in sich. Auf ihr wurde gespielt, weil der Rasen und die betagte Drainage des 12 0000 Besucher fassenden Georg-Gaßmann-Stadions nach den deutschen Meisterschaften der Holzfäller saniert werden muss.
Als Fäller der gegnerischen Angreifer betätigten sich mit Erfolg die Braunschweiger Abwehrspieler. Sie unterbanden das Laufspiel der Marburger Runningbacks Sean Cooper und Johann Gerner sehr gut. Mit Balleroberungen legten Muk Kang, DeMario Williams und Patrick Finke den Grundstein für den klaren Sieg mit 49:21 (14:0, 0:7, 7:7 28:7). Hierbei trugen Finke und Williams das rote Lederei gar in die gegnerische Endzone zum Touchdown.
Die Braunschweiger Taktik fußte auf Laufspiel, wobei Jabari Johnson sich früh eine Brustwirbelblockade zuzog, als drei Marburger ihn unsanft von den Beinen holten. Dass der Träger des Trikots mit der Nummer eins den Ball nur 13 Meter vor der gegnerischen Endzone fallen ließ, war einer von wenigen Fehlern, der sehr kompakt und willensstark auftretenden Gäste.
Alle Akteure überragte mit vier Touchdowns der nur 1,77 m große aber austrainierte 110 Kilo über den Platz wuchtende Michael Andrew. Der Ballträger lief selbst noch etliche Meter, als zwei, drei Marburger wie Kletten an ihm hingen und war für insgesamt 205 Meter Raumgewinn verantwortlich.
Nicht immer wählte der erst im Sommer zu den Lions gestoßene Brite den Weg, den ihm Prince Baffour vorblockte, sondern entdeckte oft andere Lücken in der Abwehr.
Da konnte Marburgs Spielertrainer Sebastian Tuch noch so laut- stark seine Mannen aufmuntern, wenn diese in der Mitte versuchten, die Laufwege für das Dreigestirn Andrew, Johnson und Baffour engzumachen, öffneten sich die Flanken für die Ballfänger Kelvin Love, Jörg Heckenbach und Christian Bollmann. Die Marburger mussten sich wie beim Spiel Hase und Igel fühlen. Die Lions waren immer schon weiter, wenn ein Spieler der Gastgeber entdeckt hatte, wo sich die Braunschweiger den Weg Richtung Endzone der Marcenaries bahnten.
"Wir haben sehr kompakt und mental stark gespielt", lobte Lions-Cheftrainer Javier Cook seine Mannen und versprach: "Wir haben aus der Niederlage in Kiel unsere Schlüsse für die Revanche im Finale gezogen."
