Adler taumeln, aber Lions fallen um
Beste Leistung der Braunschweiger Footballer seit langem reicht beim Meister nicht zum Sieg
BERLIN. Für Football-Fans der Braunschweig Lions gibt es nach dem Spiel beim amtierenden Meister Berlin Adler vier schlechte und viele gute Nachrichten.
Zuerst die schlechten:
Die Lions erzielen im dritten und vierten Viertel keine Punkte, erleben wieder wie schon zum Auftakt gegen Dresden einen Einbruch in der zweiten Halbzeit.
Sie kassieren wieder zu viele Strafen, nachdem dieses Problem schon abgestellt schien. Und somit gibt es immer wieder vermeidbare Raumverluste, die nur dem Gegner helfen.
Obwohl die Braunschweiger offensichtlich viel besser spielen als im Vorjahr bleiben sie auch nach drei Spielen am Tabellenende, weil die Konkurrenz zum Teil für kuriose Ergebnisse sorgt.
Mit einer fatalen Fehlerkette ermöglichen die Lions den Adlern unmittelbar nach der 7:0-Führung den Ausgleich durch einen Kick-off-Return-Touchdown. Das heißt: Der Gegner schafft es, mit dem Ball einmal über den ganzen Platz zu laufen, ohne gestoppt zu werden. Das kommt in den besten Familien vor. Bei den Lions aber zu oft.
Und nun die guten Nachrichten:
In Berlin zeigten die Lions ihre beste Leistung seit 14 Monaten. Selbstbewusst und eine Halbzeit lang mental, technisch und taktisch überragend führten sie den Gegner teilweise vor. So sicher hat Spielmacher Dennis Zimmermann wohl noch nie so viele verschiedene Angriffsvarianten erfolgreich abgeschlossen. Laufspiel durch die Mitte, über rechts, über links wechselte mit kurzen, knackigen Würfen, die am wirkungsvollsten durch die Mitte liefen – es war zum Zungeschnalzen, was die Braunschweiger zwei Viertel lang aufs Feld zauberten.
Und die Lions-Abwehr ließ den Gastgebern bis zum Schlusspfiff kaum Luft zum Atmen. Nur einen Touchdown schafften die Adler aus dem Spiel heraus. Dreimal zwang die Lions-Defensive die Adler zu Fieldgoals, einmal blockte sie einen solchen Versuch sogar ab.
Überragender Mann auf dem Platz war ein Braunschweiger Angreifer – Leif-Gerrit Keferstein. Der Ballfänger hatte am Ende des Tages zehn gefangene Pässe mit 150 Metern Raumgewinn und einen Touchdown auf der Habenseite. Das lobte sogar Berlins Cheftrainer Shuan Fatah: "Braunschweigs Angriff hat mir gut gefallen. Und was Keferstein gespielt hat, war einfach nur spektakulär."
Der 23-Jährige war erst zu Saisonbeginn aus der zweiten Liga nach Braunschweig gewechselt. "Ich spiele jetzt im Gegensatz zu früher innen. Und ich liebe es, den Ball im Lauf zu fangen und dann noch so viele Meter wie möglich weiterzugehen."
"Keferstein war der Hammerspieler in der zweiten Liga. Ich mag ihn, weil er so sehr physisch spielen kann. Deshalb habe ich ihn geholt", sagte Lions-Cheftrainer Matthias Engisch.
"Es gab heute einige Situationen, die unglücklich für uns gelaufen sind. Aber Glück muss man sich erarbeiten. Das ist uns nicht immer gelungen", erklärte Center Ludger Uckermann aus der Schutztruppe des Spielmachers, die trotz personeller Schwächung einen sehr guten Job gemacht hat.
