Zwölf Verträge mit Eintracht-Spielern laufen dieses Jahr aus
Braunschweig Ab Donnerstag bereitet sich Braunschweigs Fußball-Zweitligist auf die zweite Saisonhälfte vor. Zum Auftakt bittet Trainer Lieberknecht zum Laktattest.
Wie in jedem Jahr weilte Marc Arnold über Silvester mit seiner Familie im Ski-Urlaub. Es dürften auf absehbare Zeit die letzten ruhigen Tage für Eintrachts sportlichen Leiter gewesen sein, schließlich stehen dem 42-Jährigen arbeitsintensive Wochen und Monate ins Haus.
Am Saisonende laufen beim Zweitliga-Spitzenreiter zwölf Verträge aus, so viele wie seit vielen Jahren nicht. Gemeinsam mit dem Trainer-Team wird Arnold entscheiden müssen, welche Arbeitspapiere der Klub verlängert – und welche nicht. Dass der Ex-Profi mit Blick auf einen möglichen Erstliga-Aufstieg zweigleisig planen muss, bezeichnete er unlängst als „Luxusproblem“. Zumal man die Personalplanungen „generell unabhängig von der Liga“ mache. Der sportliche Leiter wird zunächst alles daran setzen, die auslaufenden Kontrakte der Leistungsträger Marcel Correia, Domi Kumbela, Ermin Bicakcic und Ken Reichel zu verlängern. Vielleicht folgt das Quartett dem Beispiel von Dennis Kruppke, Norman Theuerkauf, Marjan Petkovic, Mirko Boland und den Korte-Zwillingen, die ihre im Sommer auslaufenden Verträge allesamt bereits vor Weihnachten verlängert haben.
Klar ist aber auch, dass die 1. Liga für einige Akteure aus dem derzeitigen Kader eine Nummer zu groß wäre. Akteure wie Randy Edwini-Bonsu oder Emre Turan kommen schließlich schon jetzt kaum zum Zug und werden sich spätestens im Sommer einen neuen Verein suchen müssen. Auch für Benjamin Kessel, Oliver Petersch und Damir Vrancic dürfte die Zeit in Braunschweig dann mit großer Wahrscheinlichkeit abgelaufen sein. Schließlich muss Arnold im Kader Platz schaffen für potenzielle Neuzugänge.
Nicht auszuschließen ist, dass der eine oder andere Akteur den Zweitliga-Primus noch in der Winterpause verlassen wird. Schließlich ist der Kader, nachdem fast alle Langzeit-Verletzten wieder an Bord sind, groß wie lange nicht mehr. „Für die persönliche Entwicklung des einen oder anderen wäre es ganz gut, wenn er bei einem anderen Verein Spielpraxis sammelt“, sagt Marc Arnold, allerdings ohne Namen zu nennen. Der sportliche Leiter stellt jedoch auch klar: „Wir jagen hier niemanden vom Hof.“ Zumal in Anbetracht der Tatsache, dass das Transferfenster erst Ende Januar schließt, sei auch keine Eile geboten sei.
Wenn Trainer Torsten Lieberknecht am Donnerstag um 10 Uhr mit einem Laktattest die Winter-Vorbereitung einläutet, sind – von den verletzten Björn Kluft, Kevin Kratz und Deniz Dogan abgesehen – vorerst noch alle Spieler mit von der Partie.
Freitag gehen die Blau-Gelben dann bei einem Hallenturnier in Frankfurt an den Start. Sonntag in einer Woche macht sich der Eintracht-Tross dann auf den Weg ins zehntägige Trainingslager nach Belek.
12 Spieler - 12 Verträge
Ermin Bicakcic
„Eisen-Ermin“, wie ihn die Eintracht-Anhänger aufgrund seiner kompromisslosen Spielweise anerkennend nennen, ist aus dem Eintracht-Team nicht mehr wegzudenken. Der gebürtige Bosnier ist seit seinem Wechsel nach Braunschweig der Dauerbrenner bei den Blau-Gelben. Im Jahr 2012 hat der Innenverteidiger kein einziges Spiel verpasst.
Mit seinen gerade einmal 22 Jahren hat Bicakcic seine besten Jahre noch vor sich. Marc Arnold wird deshalb alles daran setzen, den Vertrag mit dem ehemaligen Stuttgarter zu verlängern. schi
Matthias Henn
Nach langer, mehr als einjähriger Verletzungspause feierte der Innenverteidiger im letzten Spiel vor der Winterpause unter dem frenetischen Applaus der Zuschauer sein Kurz-Comeback. Der 27-Jährige, bis zu seinem Kreuzbandriss unumstrittener Stammspieler, wird in der Rückrunde unter Beweis stellen müssen, dass er wieder ganz der Alte ist. Sollte ihm das ansatzweise gelingen, ist eine Vertragsverlängerung nicht ausgeschlossen. Schon alleine deshalb, weil Henn als Mitglied des Mannschaftsrats bei seinen Mitspielern hohes Ansehen genießt. schi
Ken Reichel
Er hat in der 3. Liga seinen Mann gestanden (auch wenn es anfangs nicht immer filigran aussah), er steht in der 2. Liga seinen Mann – und es spricht wenig dagegen, dass er nicht auch in der 1. Liga seinen Mann stehen würde. Es gibt also keinen Grund, den Vertrag mit dem gebürtigen Berliner, der seit 2007 in Braunschweig kickt, nicht zu verlängern. Zumal es gute Linksverteidiger in Deutschland bekanntlich nicht wie Sand am Meer gibt (man frage Joachim Löw). Und noch etwas spricht für Reichel: Der 26-Jährige ist so gut wie nie verletzt oder krank. schi
Steffen Bohl
Der 29-Jährige ist ein Stehaufmännchen: Als er im Sommer nach ausgeheiltem Kreuzbandriss gerade wieder Anschluss ans Team gefunden hatte, verletzte er sich am Innenband. Doch Bohl kämpfte sich erneut zurück – und spielte in den Wochen vor Weihnachten plötzlich wieder eine gewichtige Rolle beim Tabellenführer. Mit seiner unaufgeregten Spielweise empfahl sich der gebürtige Pfälzer bereits für einen neuen Vertrag. Zumal Bohl etwas hat, was nur wenige andere Eintracht-Profis vorweisen können: und zwar Erstliga-Erfahrung. schi
Benjamin Kessel
Mittlerweile ist es fast in Vergessenheit geraten, aber: In der Rückrunde der Aufstiegssaison hatte Kessel in der Viererkette einen Stammplatz. Danach warfen ihn jedoch diverse Verletzungen und Sperren immer wieder zurück, hinten rechts liefen ihm sowohl Marcel Correia als auch Steffen Bohl den Rang ab. In den letzten Spielen vor der Winterpause bekam der 25-Jährige endlich wieder ein Bein auf den Boden, gegen Union Berlin spielte er zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder durch. Allerdings ist eher fraglich, ob er Erstliga-Ansprüchen genügen würde. schi
Emre Turan
Der junge Türke wurde von den Eintracht-Verantwortlichen in höchsten Tönen gelobt, als er im November 2010 verpflichtet wurde. Den Nachweis seiner Klasse konnte Turan bis heute jedoch nicht erbringen: In dieser Saison hat der 22-Jährige noch keine Minute gespielt, überhaupt stand er nur viermal im Kader. Sein letzter und einziger Zweitliga-Einsatz datiert vom 12. August 2011. Die Eintracht-Verantwortlichen würden dem Abwehrspieler sicher keine Steine in den Weg legen, würde er den Klub noch in der Winterpause verlassen wollen. schi
Marcel Correia
Für diesen Transfer müsste man den Eintracht-Verantwortlichen nachträglich einen Manager-Preis verleihen. Der junge Correia, der vor zwei Jahren aus der Regionalliga-Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern nach Braunschweig kam, hat sich bei den Blau-Gelben auf Anhieb einen Stammplatz erkämpft. Mit seinen gerade einmal 23 Jahren ist der Defensivakteur noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. Schon alleine deshalb wird Manager Marc Arnold alles dafür tun, den Vertrag mit dem Portugiesen zu verlängern. schi
Domi Kumbela
Der Deutsch-Kongolese war in den Wochen vor Weihnachten in der Form seines Lebens: An 12 der letzten 16 Eintracht-Treffer war der Angreifer beteiligt (10 Tore, 2 Vorlagen), gegen Union Berlin gelang ihm sogar ein Dreierpack. Keine Frage, dass Eintracht den Vertrag mit dem derzeit besten Zweitliga-Torschützen lieber heute als morgen verlängern würde. Allerdings hat Kumbela mit seinen starken Leistungen auch Begehrlichkeiten anderer Klubs geweckt. Vieles spricht jedoch dafür, dass sich der 28-Jährige seinen Erstliga-Traum mit Eintracht erfüllt. schi
Damir Vrancic
Es ist noch kein halbes Jahr her, dass Vrancic sein Pflichtspieldebüt in der Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina feierte – und von der WM-Teilnahme 2014 träumte. Bei Eintracht bekam er seitdem jedoch immer seltener ein Bein auf den Boden. Bislang stehen in dieser Saison erst fünf Startelfeinsätze für den begnadeten Techniker in der Statistik, meist musste er sich mit Einwechslungen begnügen. Da er athletisch wohl kaum in der 1. Liga mithalten könnte, deutet vieles darauf hin, dass sich die Wege von Vrancic und Eintracht bald trennen. schi
Randy Edwini-Bonsu
Sein Einstand war verheißungsvoll: Im Testspiel gegen Erstligist Werder Bremen machte der Kanadier, damals noch als Testspieler, im Oktober 2011 mit einem Doppelpack auf sich aufmerksam – und bekam anschließend einen Vertrag. In der 2. Liga lässt der erste Treffer des flinken Offensivakteurs allerdings immer noch auf sich warten; es blieb bei guten Ansätzen. Sollte der Knoten in der Rückrunde nicht platzen, wird sich der 22-Jährige im Sommer wohl nach einem neuen Verein umsehen müssen. In der 1. Liga würde er Eintracht kaum weiterhelfen. schi
Oliver Petersch
Aufgrund von diversen Verletzungen hatte der pfeilschnelle 23-Jährige bei Eintracht bisher nur wenige Gelegenheiten, zu zeigen, was er kann. Ende 2011 ließ er nach wochenlangem Reservisten-Dasein seine Fähigkeiten kurz aufblitzen, ehe ihn eine Verletzung einmal mehr aus der Bahn warf. In dieser Saison stand der ehemalige Oberhausener noch kein einziges Mal im Kader. Selbst wenn Petersch in der Rückrunde wieder richtig fit wird, ist es nach derzeitigem Stand eher unwahrscheinlich, dass Eintracht ihm ein neues Vertragsangebot unterbreitet. schi
Chengdong Zhang
Der chinesische Nationalspieler, der Ende August zur Eintracht stieß, ist derzeit nur ausgeliehen, der Zweitligist könnte jedoch im Sommer eine Kaufoption ziehen. Damit das passiert, muss Zhang in der Rückrunde allerdings mehr zeigen als in der ersten Saisonhälfte. Bei seinen bislang vier Startelfeinsätzen blieb der 23 Jahre alte Angreifer den Nachweis seiner Klasse weitestgehend schuldig. Vielleicht ändert sich das jedoch, wenn er nun eine komplette Vorbereitung mit dem Team absolviert. Von den Voraussetzungen bringt Zhang eigentlich alles mit. schi
Welcher Vertrag sollte Ihrer Meinung nach auf jeden Fall verlängert werden?
