Zurück aus der Versenkung
Braunschweig Eintracht-Profi Julius Reinhardt stand am Sonntag in Frankfurt erstmals in dieser Saison in der Startelf - und sicherlich nicht zum letzten Mal.
Für Julius Reinhardt war es am Montagvormittag ein ganz neues Gefühl. Zum ersten Mal seit Monaten musste Eintrachts Mittelfeld-Akteur am Tag nach einem Spiel nicht mit den Reservisten trainieren, sondern durfte sich mit den Stammspielern auslaufen. Überschaubare 153 Einsatzminuten, allesamt als Einwechselspieler, standen für Reinhardt bis zur Winterpause zu Buche – der 23-Jährige war quasi in der blau-gelben Versenkung verschwunden. „Ich habe mich trotzdem nie hängen lassen“, berichtet der gebürtige Chemnitzer. „Das ist nicht meine Art.“ Schließlich sei ihm bewusst, dass es auch mal Phasen gebe, in denen es nicht so laufe, wie man es sich vorstelle. Natürlich versuche jeder Akteur seine Einzelinteressen durchzusetzen, sagt Reinhardt, „aber letztlich steht das Team im Vordergrund“.
Am Sonntag war bei vielen Eintracht-Anhängern die Verwunderung groß, als sie den Mann mit der Trikot-Nummer 23 beim Auswärtsspiel in Frankfurt in der Startformation entdeckten – während Chefstratege Damir Vrancic nur auf der Auswechselbank saß. „Manchmal braucht man halt ein wenig Geduld“, sagt Reinhardt über sein Startelf-Debüt in der 2. Liga.
Ganz so überraschend war die Personal-Entscheidung von Trainer Torsten Lieberknecht allerdings nicht, hatte sie sich schließlich in der Winter-Vorbereitung schon abgezeichnet. Insbesondere im Trainingslager in Spanien hatte Reinhardt mit guten Leistungen Werbung in eigener Sache betrieben. Was auch daran lag, dass er, wie er selbst sagt, „gut durch den Winter gekommen“ sei, sprich: ohne Verletzung.
Dass es gegen Frankfurt letztlich zu einem Platz in der Anfangsformation reichen würde, war für ihn dennoch keine Selbstverständlichkeit. „Unser Kader ist so ausgeglichen – da konnte ich mit nichts rechnen.“ So erfuhr er erst eine Stunde vor dem Anpfiff von seinem Glück, gegen den Erstliga-Absteiger von Beginn an auflaufen zu dürfen. „Ich habe lange genug auf diese Chance warten müssen, also wollte ich sie auch nutzen.“
Und das gelang ihm eindrucksvoll: Bei der 1:2-Niederlage zählte er auf Braunschweiger Seite zu den auffälligsten Akteuren; und das nicht nur, weil er bis zu seiner Auswechslung nach 77 Minuten ein enormes Laufpensum abspulte.
Über seine eigene Leistung wollte Reinhardt anschließend allerdings nicht viele Worte verlieren. „Das überlasse ich anderen.“ Zum Beispiel Torsten Lieberknecht. „Julius hat mit viel Herz und Verstand gespielt“, lobte der Eintracht-Trainer seinen Schützling. Was nicht darauf schließen lässt, dass der 23-Jährige so schnell wieder in der Versenkung verschwinden wird.
Auch wenn das Lob sicherlich runtergegangen sein dürfte wie Öl, kaufen konnte sich Reinhardt davon nicht viel, „weil wir verpasst haben, etwas Zählbares mitzunehmen“. Der Startelf-Debütant kündigte allerdings an, dass sich die Mannschaft „von der Niederlage nicht herunterziehen lassen“ werde. „Schließlich kommen jetzt die entscheidenden Spiele.“



