„Wir haben die Baustellen in der Defensive geschlossen“
Braunschweig Karlsruhes Coach Jörn Andersen im Interview über Abstiegskampf und gute Nerven
Jörn Andersen hat den Karlsruher SC, am Samstag um 13 Uhr Gegner der Braunschweiger Eintracht, am 6. November als Trainer übernommen und soll die Badener vor dem Abstieg bewahren. Der 49 Jahre alte Norweger hat zwischen 1985 und 1995 insgesamt 234 Einsätze bei mehreren Erstligisten gehabt. Seine Trainer-Karriere begann er im Juli 2003 bei Rot-Weiß Oberhausen. Mit Jörn Andersen sprach vor dem heutigen Braunschweig-Gastspiel Redakteur Hans-Dieter Schlawis.
Nach fünf Niederlagen der erste Erfolg und das auch noch nach einem 0:1-Rückstand. Was macht Ihr Team besser als noch im Dezember?
Die neuen Spieler, die wir in der Winterpause geholt haben, haben uns einfach mehr Qualität gebracht. Vor allem für die Abwehr haben wir erfahrene Spieler verpflichtet, die dem Druck und Stress eines Abstiegskampfes gewachsen sind. Und dann kommt hinzu: Wir haben eine hervorragende Vorbereitungsphase hinter uns.
Sie haben Ihre Abwehr völlig umgekrempelt. Drei der vier Akteure in der Viererkette waren neu im Kader. Hat das den Ausschlag gegeben, um Aue vor einer Woche zu besiegen?
Ich denke schon, dass das einer der ausschlaggebenden Punkte war. Wir sind in der Abwehr nicht so geschwommen wie in der einen oder anderen Situation in Partien vor der Winterpause. Die Neuen haben Erfahrung und Klasse, das hat sich ausgezahlt.
Mit Hakan Calhanoglu haben Sie einen jungen Mann im Mittelfeld zu seinem Zweitliga-Debüt kommen lassen, der Mittwoch 18 Jahre alt geworden ist. Hinterher haben sie von seiner Leistung geschwärmt, ihn mit dem jungen Mesut Özil verglichen. Waren Sie selbst ein wenig überrascht, wie cool er aufgetreten ist?
Nein, überrascht nicht. Ich wusste ja, was er drauf hat und habe ihn deshalb aus der A-Jugend zu uns geholt. Calhanoglu hat ein Riesen-Potenzial. Aber wir werden ihn jetzt nicht unter Druck setzen, sondern ihn sich kontinuierlich entwickeln lassen. Er soll so unbekümmert spielen wie in der A-Jugend. Dann wird er uns auch bestimmt weiterhelfen.
Beim Vergleich der Startelf gegen Aue vor einer Woche und der, die am 18. Dezember gegen 1860 München verlor, fällt auf: Nur vier Spieler sind übrig geblieben.
Ich musste, als ich nach Karlsruhe kam, erst einmal mit dem Team arbeiten, das da war. Einige waren der Drucksituation, die im Abstiegs- ja im Überlebenskampf nun mal herrscht, nicht gewachsen. Es passierten zu viele individuelle Fehler, die uns dann die Niederlagen eingebrockt haben. Deshalb haben wir uns verstärkt. Ich hatte in der Winterpause richtig Zeit, mich gemeinsam mit dem Team vorzubereiten, meine Philosophie von Fußball herüberzubringen und zu trainieren. Wir haben vorrangig unsere Defensiv-Baustellen geschlossen.
Wie schätzen Sie die Braunschweiger Eintracht ein?
Das wird für uns eine schwere Aufgabe, klar. Torsten Lieberknecht macht in Braunschweig eine sehr, sehr gute Arbeit. Er liebt schnellen offensiven Fußball. Die Mannschaft hat als Aufsteiger eine Super-Hinrunde abgeliefert, einige der großen Teams geschlagen. Wir müssen von Beginn an konzentriert dagegenhalten und leidenschaftlich kämpfen, dann kommen wir unserem Ziel näher.
Sieht man die letzten Ergebnisse: Hat Braunschweig den Schwung des ersten Saisondrittels verloren?
Wenn man die Anfangsphase der Saison als Vergleich heranzieht, vielleicht. Aber dafür bin ich zu weit weg von der Eintracht. Wir konzentrieren uns in erster Linie auf uns selbst. Und unser Ziel heißt Klassenerhalt. Dem wollen wir Schritt für Schritt näherkommen.

