Wie am Schnürchen
Normalerweise fangen Texte aus dem Winter-Trainingslager wie folgt an: "Bei strahlendem Sonnenschein..." Doch von wegen: Als Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht seine Schützlinge Donnerstagvormittag zum Training bat, hing eine dichte Wolkendecke über dem von Palmen gesäumten Platz. Das war, zumindest aus Journalistensicht, aber auch das einzige Manko.
"Die Bedingungen sind optimal", schwärmte der sportliche Leiter Marc Arnold nach der ersten Nacht an der spanischen Mittelmeerküste. Der gute Eindruck, den der 41-Jährige bei der Vorbesichtigung im vergangenen Herbst von der Vier-Sterne-Anlage gewonnen hatte, habe ihn nicht getäuscht. Dass die Wahl ausgerechnet auf ein Golf-Hotel fiel, sei allerdings reiner Zufall gewesen, beteuert der passionierte Golf-Spieler.
Entscheidend sei vielmehr gewesen, "dass wir den Platz exklusiv für uns haben". In anderen Orten, insbesondere in der Türkei, würden sich meist mehrerer Klubs einen Platz teilen, die Trainingszeiten seien daher stark reglementiert, weiß Arnold aus eigener Erfahrung.
In Oliva kann Trainer Torsten Lieberknecht, der am Donnerstag aufgrund einer leichten Erkältung beim Training eine Mütze trug, die Einheiten hingegen nach Belieben ansetzen – und notfalls auch mal überziehen. Donnerstagvormittag scheuchte er seine Schützlinge bereits um 7.30 Uhr zum nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernten Platz, wo ein knapp 30-minütiges Gymnastikprogramm absolviert wurde. "Einige Spieler haben alleine mit dem Leuchten ihrer Augen den Platz erhellt", berichtete Lieberknecht schmunzelnd und spielte damit auf die offenbar anstrengenden Übungen an, mit denen Co-Trainer Darius Scholtysik die Fußball-Profis gequält hatte.
Um 10.30 Uhr, in der zweiten Einheit des Tages, kam dann zum ersten Mal in Spanien der Ball zum Einsatz. Mit verschiedenen Passübungen und Spielformen brachte Lieberknecht seine Profis kurzfristig auf Betriebstemperatur –und langfristig in Form für die Rückrunden-Fortsetzung Anfang Februar. In erster Linie, verriet der Eintracht-Coach, gehe es im Trainingslager um die Feinjustierung. "Ich werde noch einmal Dinge ins Leben rufen, die uns in der Hinrunde stark gemacht haben." Und das waren bekanntlich einige.
Trotz der guten Ausgangssituation–der Vorsprung auf die Abstiegsränge beträgt derzeit komfortable 15 Punkte – betont Lieberknecht, dass man sich nicht zurücklehnen werde. "Ich bin voller Lust, neue Ziele anzusteuern." In der Winterpause habe er sich deshalb zum Beispiel einen Zusammenschnitt aller Hinrunden-Gegentore zu Gemüte geführt. Seine Erkenntnis: Mit Ausnahme der Partie gegen Frankfurt, als man in den Schlussminuten ausgespielt worden sei, seien alle Gegentreffer vermeidbar gewesen, weil sie, so Lieberknecht, aus wiederkehrenden Fehlern resultierten.
"Die wollen wir nun abstellen", kündigt der Fußball-Lehrer an. Außerdem wolle er seiner Mannschaft im Trainingslager das Rüstzeug mit auf den Weg geben, "auch mal schmutzige Punkte zu holen".



