Vom Erstliga-Aspiranten zum Kellerkind
Es ist eine Zeit des Umbruchs, eine Zeit der Mittelmäßigkeit –und daran müssen sich die Anhänger des VfL Bochum erst noch gewöhnen. Auch im zweiten Anlauf werden die Bochumer, die am Sonntag bei Eintracht zu Gast sind, nicht die Rückkehr in die Bundesliga schaffen, das war den Verantwortlichen bereits vor der 0:1-Heimniederlage gegen Energie Cottbus am vergangenen Montag klar.
Viel hat sich getan in Bochum im letzten Jahr. Erst warf der langjährige Patron und Aufsichtsratsvorsitzende Werner Altegoer, nach einem Misstrauensvotum der Mitglieder, die Brocken hin, dann wurde Sportvorstand Thomas Ernst durch Jens Todt ersetzt, und schließlich, nach dem katastrophalen Saisonstart, musste auch Trainer Friedhelm Funkel seine Sachen packen, obwohl Funkel ein paar Monate zuvor mit der Mannschaft nur knapp in der Relegation an Mönchengladbach gescheitert war. Todt holte Andreas Bergmann aus Hannover, allmählich konnte sich der VfL aus der Abstiegszone befreien.
Mehr aber war bisher nicht drin. Zu groß sind die strukturellen Schwächen der aktuellen, deutlich verjüngten Mannschaft. So haben die beiden Außenverteidiger Björn Kopplin und Matthias Ostrzolek mangels Alternativen quasi einen Freifahrtschein, obwohl ihnen die eine oder andere schöpferische Pause gut täte.
Die langen Verletzungspausen von Mimoun Azaouagh und Slawo Freier sorgen zudem dafür, dass es auch im Mittelfeld kaum personelle Optionen gibt für die Elf, die zuletzt gegen Cottbus gefällig begann, aber in der Offensive die letzte Konsequenz vermissen ließ.
Auch weil Chong Tese, der nordkoreanische Nationalspieler, zu selten knipst. Im Sommer, als die Bochumer ein Millionenangebot für Tese aus England ausschlugen, wollten sie sich damit nicht ihrer Chancen im Aufstiegskampf berauben, jetzt sieht alles anders aus. Alle drei Saisontreffer erzielte der Stürmer in Ingolstadt, ein weiteres lukratives Angebot ist derzeit nicht in Sicht, und Ende Juni 2012 wird Tese ablösefrei zu haben sein.
Ärgerlich für die Entscheidungsträger, die ein neues Ziel ins Auge gefasst haben. Mindestens dort, wo sich die Braunschweiger Eintracht zurzeit tabellarisch eingeordnet hat, will man die Saison beschließen, um anschließend erneut die Rückkehr in die Bundesliga anzustreben; auch wenn die finanziellen Ressourcen immer knapper werden.



