Lieberknecht noch immer fassungslos
Braunschweig Trainer Torsten Lieberknecht sorgte Dienstag für ein Novum. Der Trainer von Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig nutzte die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli zu einem heftigen Rückblick.
„Das Spiel in Cottbus liegt jetzt drei Tage zurück, aber der Ärger ist komplett noch nicht verraucht, er ist eher schlimmer geworden“, stellte Lieberknecht fest. „Wir haben die eigenen Fehler beim 0:1 knallhart angesprochen“, verdeutlichte er, dass der „kollektive Tiefschlaf“ seiner Defensive die Cottbuser frühe Führung erst ermöglicht hatte.
Und dann lederte Lieberknecht los. „Was nach dem 1:1 passiert ist von der Spielleitung, hat sich peu a peu gesteigert. Es sind gravierende Fehler gemacht worden von Herrn Gräfe, die für mich nicht nachvollziehbar sind“, kritisierte der Eintracht-Trainer, der sich die Bilder vom Spiel in Cottbus noch einige Male angeschaut hatte.
Und Lieberknecht zählte auf: Mehrere klare Fouls gegen Domi Kumbela oder Marc Pfitzner seien nicht geahndet worden, so vor dem Cottbuser Konter, der zur Ecke vor dem 2:1 führte. Kumbela, gelbbelastet, sei durch die Fehler des Schiedsrichtergespanns zudem früh um Buhmann der Cottbuser-Anhänger geworden. Lieberknecht habe ihn in der emotionalen Partie schützen und auswechseln müssen, auch um einem Feldverweis zuvor zu kommen. Auch der Hinausstellung von Norman Theuerkauf – die dann nach dessen Meckern zu Recht erfolgte – sei ein Foul voraus gegangen, zählte Lieberknecht auf und: „Ich finde es schon bedenklich, wenn zum Spiel in Cottbus ein Schiedsrichter aus Berlin kommt.“ Das Fazit des Trainers: „Wir sind benachteiligt worden, und wir haben große Wut im Bauch.“
Die soll der FC St. Pauli zu spüren bekommen, der sich im Spiel eins nach der ersten Saisonniederlage des Tabellenführers im Eintracht-Stadion vorstellt. „St. Pauli hat sich seit dem Trainerwechsel stabilisiert und spielt sehr diszipliniert und geordnet“, beschreibt Lieberknecht. Seitdem Michael Frontzeck beim „Kiezklub“ das Traineramt übernahm holte St. Pauli aus sechs Spielen zehn Punkte, gewann zuletzt 4:1 gegen Duisburg.
Bei Eintracht plagt sich Deniz Dogan weiter mit Adduktorenproblemen, soll aber möglichst spielen. Fehlen wird der gesperrte Theuerkauf . Orhan Ademi kehrt nach überstandener Grippe zurück. St. Pauli mus Torjäger Daniel Ginczek (fünfte gelbe Karte) ersetzen.
Zu Beginn des Spiel könnte es ungewohnt ruhig im Stadion bleiben. Fan-Initativen haben bundesweit zu einem Zwölf-Minuten-Boykott aufgerufen, in denen die Teams nicht angefeuert werden sollen. Es soll ein Protest gegen das DFL-Papier „Sicheres Stadionerlebnis“sein. Ob das der auf Unterstützung bauenden Eintracht hilft, ist sehr fraglich.
Fakten
Eintracht – FC St. Pauli, Mittwoch 17.30 Uhr, Eintracht-Stadion, ausverkauft
•Winterfahrplan Eintracht:
18. Dezember bis 2. Januar: trainingsfrei
3. Januar: Trainingsstart
4. Januar: Hallenturnier in Frankfurt mit SpVgg Greuther Fürth, FSV Frankfurt, Eintracht Frankfurt, FC St. Pauli, Kickers Offenbach
8. Januar: Testspiel (Gegner offen)
11. Januar: Testspiel
13. bis 22. Januar: Trainingslager in Belek (Türkei) mit Testspielen am 16. und 21. Januar
27. Januar: Testspiel
2. Februar, 13 Uhr: 20. Spieltag 2. Bundesliga, Paderborn – Eintracht
